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Peter Stamm: Warum wir vor der Stadt wohnen

Besprechung

Der Schweizer Autor Peter Stamm lässt eine heitere Großfamilie mit ihrem Hab und Gut auf der Suche nach einem neuen Zuhause durch die Welt reisen. Dabei macht die Familie an vielen ungewöhnlichen Orten halt. Angefangen im Haus mit der blauen Lampe ziehen sie zum Beispiel in einen Trolleybus, in die Geige der Tante, auf das Dach eines Kirchturms, ins Kino oder auf den Hut des Onkels. Aber an jedem Ort bekommt eines der Familienmitglieder ein Problem, sodass die Familie weiterziehen muss, bevor ihre Reise letztendlich recht unspektakulär in einem großen Haus vor der Stadt endet. Dieses Bilderbuch verzaubert weniger durch seine Handlung (deshalb ist es auch als gemeinsame Klassenlektüre weniger geeignet) als vielmehr durch seine ästhetisch ansprechende und poetisch wirkungsvolle Erscheinung. Stamm reiht 18 Kurzgeschichten aneinander und verfolgt dabei eine einheitliche, poetisch anmutende Struktur. Jede Erzählung beginnt mit dem Satz „Als wir … wohnten, …“ gefolgt von einer skurrilen und auf Details fokussierten Beschreibung des jeweiligen Ortes. In mündlich leichtem Erzählduktus schildert der Autor Gerüche, Geräusche, Licht- und Wetterverhältnisse und so manche Absonderlichkeit an den verschiedenen Wohnorten. Das Aufbruchsszenario beginnt stets mit einem Countdown: Im Trolleybus zum Beispiel lernte die Mutter „vier neue Sprachen, der Großvater verlor drei Zähne, der Bruder fand zwei neue Freunde, (sic) und die Großmutter hatte eine Lungenentzündung.“ Anschließend bekommt ein Familienmitglied ein Problem: Vater aber liebte die Mutter nicht mehr. Deshalb zogen wir …“. Die zu jeder Kurzgeschichte eindrücklichen Bilder von der Illustratorin Jutta Bauer machen dieses Bilderbuch zu einem echten Schmuckstück. Mit kräftigen Farben äußerst facettenreich greift Bauer einzelne Details auf, zeichnet variantenreich und verändert sowohl Abstraktionsgrad als auch Zeichenart. Um der Familie ein bisschen Kontinuität zu verschaffen, dichtet sie in ihren Bildern stets eine wiederkehrende Katze und einen roten Teppich dazu. Außerdem lässt sie die Familie in schwarzweiß Strichzeichnungen unter dem Text auch bildlich von einem Ort zum anderen ziehen.

Didaktische Hinweise

Dieses Bilderbuch regt dazu an, eigene Umzugsfantasien zu entwickeln und diese sowohl sprachlich als auch künstlerisch umzusetzen. Durch die klare Struktur sind bereits Grundschülerinnen und -Schüler in der 3. und 4. Jahrgangsstufe in der Lage die Texte auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede hin zu analysieren und sich damit Kriterien für ihre eigene Parallelgeschichte zu erarbeiten. Entstehen kann daraus ein eigenes Klassenbuch nach der Vorlage des Bilderbuches. Darüber hinaus lassen sich die einzelnen Geschichten in Gruppen lesen und pantomimisch oder szenisch darstellen. Außerdem ist der Text auf CD in hochdeutscher (gelesen von Samuel Weiss) und in Schweizer Mundart (gelesen von Anikó Donáth) begleitet durch den Gitarristen Max Lässer erhältlich.

Gattung

  • Bilderbücher

Eignung

in Auszügen geeignet

Jahrgangsstufen

1 bis 6

Fächer

  • Deutsch
  • Kunst (Fachzeichnen)

Erscheinungsjahr

2010 (Erstauflage 2005)

ISBN

9783596854141

Umfang

40 Seiten

Medien

  • Buch