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Felicitas Hoppe: Iwein Löwenritter

Besprechung

Iwein ist nicht irgendein Ritter, sondern der „Beste der Besten“. Doch wie soll er das auf Dauer beweisen, wenn er ausschließlich am Hof von König Artus, in dessen Tafelrunde sitzt und von vergangenen Abenteuern erzählt? Und das, auch wenn ihm der Platz, dem Besten gemäß, direkt neben dem König längst gehört. Iwein langweilt sich. Doch da überredet ihn der Hofmeister Herr Keie sich auf den Weg in den Immerwald zu machen, um neue Abenteuer zu suchen und Ruhm und Ehre zu erlangen. Der abenteuerhungrige Ritter verlässt die Tafelrunde und folgt dem Rat. Im Immerwald trifft Iwein an einer Lichtung auf einen Mann, der wilde Tiere hütet. Dieser kann zwar mit „Ruhm und Ehre“ wenig anfangen, gibt dem Ritter aber den Rat, er solle doch, wenn er schon auf Abenteuer aus sei, die „Gewitterquelle“  wecken, in dem er dort Wasser aus dem Brunnen unter der Linde schöpft. Iwein folgt auch diesem Rat. Doch mit seinem Handeln zieht er den Zorn des Herrn der Gewitterquelle, dem Burgherrn des Reichs Nebenan auf sich, und es kommt zum Kampf. Iwein verfolgt dem tödlich Verletzten bis auf dessen Burg. Gleich zwei Frauen, Lunette und Laudine, begegnet Iwein dort. Die eine wird ihm zur Rettung, an die andere verliert er sein Herz. An beide ist sein Schicksal fortan geknüpft. Beide erleben wie Iwein Ruhm, Ehre und ein Herz gewinnt, aber wie er auch alles aus eigener Schuld wieder verliert und schließlich zum Löwenritter wird.

„Iwein, Löwenritter“ stammt ursprünglich aus der Feder Hartmann von Aues. Felicitas Hoppe erzählt den mittelhochdeutschen höfischen Versroman neu. Nicht nur, dass sie den Roman ins Neuhochdeutsche überträgt, sie erzählt die Abenteuer des Ritter Iwein auch in einem eigenen Erzählstil, einem Märchen nicht unähnlich. Ungewöhnlich ist dabei auch die Erzählperspektive. Die Autorin wählt einen auktorialen Erzähler, der allwissend über den Abenteuern und deren Verlauf steht. Im Aufbau folgt Felicitas Hoppe dem „Doppelwegschema“ der „aventiuren“ des höfischen Romans. Das heißt, das Epos besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil wird erzählt, wie Iwein „Ruhm und Ehre“ erlangt. Der Ritter und Held versagt jedoch und verliert wieder alles, aus eigenen Stücken. Im zweiten Teil muss sich Iwein seiner Verantwortung und neuen Herausforderungen stellen. In dem er sich neu bewährt und zum Löwenritter wird, gewinnt er letztlich eine vollkommene, neue Identität.

Der Autorin gelingt es meisterhaft, dem über achthundert Jahre alten mittelhochdeutschen Versepos (um 1200), gerecht zu werden. Durch die allwissende Erzählperspektive und die geradezu märchenhaft bunte wie auch gefühlsbetonte Sprache gelingt es ihr, nicht nur die ritterlichen Tugenden vortrefflich zu beschreiben, sondern auch die Leser zu fesseln und zu spannend zu unterhalten. Mit „Iwein Löwenritter“ lassen sich sicher auch jugendliche Leser für das mittelalterliche Rittertum gewinnen. Gerade in der Auseinandersetzung mit der Literatur des Mittelalters der Sekundarstufe I eine absolut empfehlenswerte Lektüre.

Didaktische Hinweise

Zu „Iwein Löwenritter“ sind beispielsweise folgende Unterrichtshilfen erschienen:

  • Reihe EinFach Deutsch. Unterrichtsmodelle: Felicitas Hoppe: Iwein Löwenritter. Klassen 5-7. Von Susan Kersten Schöningh Verlag im Westermann Schulbuch 2015.
  • Prof. Franziska Küenzlen, Dr. Anna Mühlherr und Prof. Heike Sahm: Themenorientierte Literaturdidaktik: Helden im Mittelalter. Vandenhoeck und Ruprecht UTB 2014.

Um einen Eindruck von der mittelhochdeuten Sprache des „Iwein“ zu erhalten, besteht eine download Möglichkeit als Prosa Vortrag bzw. als Hörbuch in Episoden unter sagenmaere.altdeutsche hoerliteratur von Alexander Sager 2008, teilweise auch mit Musik ergänzt.

Als Einstieg zur Lektüre könnte Vorwissen zu „König Artus“ in Form eines Clusters oder einer Mindmap gesammelt werden.

Die vier Farbtafeln im Buch von Michael Sowa laden zunächst ein, mit Schülerinnen und Schülern vorab zu überlegen, welche Abenteuer der Ritter zu bestehen hat.

Bildliche Darstellungen aus dem Mittelalter sind darüber hinaus zu einzelnen Szenen des Werks auf dem „Malterer Teppich“ (1330) aus dem Kloster St. Katharina Adelhausen zu finden: Szene 1 „Iweins Sieg am Brunnen“ und Szene 2 „Iwein, der unsichtbar machende Ring und Laudine“.

Hartmann von Aue (1160-1210 Schwaben) gilt als bedeutender Epiker der mittelhochdeutschen Klassik.  Die Form des höfischen Romans übernahm er aus dem Französischen. Bei „Iwein“ (1200) handelt es sich um einen Übertrag in Versen zu „Yvain ou Le Chevalier au lion“ von Chrétien de Troyes aus dem Altfranzösischen. Eine zweisprachige Textausgabe liegt wie folgt vor: Hartmann von Aue: Iwein. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch. Zweisprachige Ausgabe. In Neuübersetzung von Rüdiger Krohn, mit Kommentar von Mireille Schnyder. Reclam Stuttgart 2012.

Das Einüben zum Erstellen von Schaubildern bietet sich zu den beiden Teilen der je 30 Kapitel der Lektüre an. Das „Doppelwegschema“  von Ritter Iwein zum Löwenritter ließe sich so zusammenfassend darstellen.

Gattung

  • (Kinder-) Kriminalliteratur, Thriller (Horror, Gruselliteratur)
  • Fantasy
  • Romane

Eignung

sehr gut als Klassenlektüre geeignet

Jahrgangsstufen

6 bis 7

Fächer

  • Deutsch

FÜZ

  • Interkulturelle Bildung
  • Werteerziehung

Erscheinungsjahr

2011

ISBN

9783596807406

Umfang

249 Seiten

Medien

  • Buch