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Andrea Wulf: Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur

Besprechung

Bei der Biografie „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur“ der Journalistin Andrea Wulf (Buchtrailer) handelt es sich um ein faszinierendes Portrait des Naturforschers Alexander von Humboldts. Man lernt in ihr Alexander von Humboldt als einen ausgesprochen modernen Forscher kennen, der bereits als Kind – anders als sein Bruder Wilhelm – von einem unermesslichen Wissensdrang getrieben war, der sich in seiner ausgeprägten Sammelleidenschaft niederschlug. Bereits als junger Mann unternimmt Alexander von Humboldt zusammen mit Johann Wolfgang von Goethe in Weimar naturwissenschaftliche Experimente. Als im Jahr 1796 Humboldts Mutter stirbt, erbt Alexander von Humboldt so viel Geld, dass er sich endlich die lang ersehnte Expedition nach Südamerika finanzieren kann. Im Alter von 27 Jahren kündigt Humboldt seine Stellung als Bergassessor und begibt sich nach Paris, wo er auf den jungen Naturforscher Aimé Bonpland stößt, der ihn auf seiner Reise nach Südamerika Reise belgeiten soll. Es wird aber noch einige Zeit dauern, bis die europäische Politik es zulässt, dass die beiden Forscher Europa verlassen können. Im Juni 1799 ist es endlich soweit: An Bord der Pizarro segeln sie über Teneriffa nach Neuandalusien, wo Humboldt und Bonpland in Cumaná – im heutigen Venezuela – an Land gehen. Fünf Jahre verbringen die beiden in Südamerika, wo sie die Llanos, den Orinoco und die Anden erkunden. Den Höhepunkt der Reise bildet die Besteigung des Chimborazo, der damals als der höchste Berg der Erde galt. 1804 kehrt Humboldt, nach einem Besuch des amerikanischen Präsidenten Thomas Jefferson und einem weiteren Abstecher nach Kuba, nach Europa zurück. Der Schatz an Beobachtungen und Aufzeichnungen, den Humboldt von seiner Reise mitgebracht hat, wird ihn den Rest seines Lebens beschäftigen. Sein Traum einer weiteren Exkursion nach Indien bleibt Humboldt aufgrund der englischen Kolonialpolitik verwehrt. Stattdessen unternimmt Humboldt im fortgeschrittenen Alter eine Reise nach Russland. 

Didaktische Hinweise

Andrea Wulfs Biographie über Alexander von Humboldt gehört in jede Schulbibliothek! Man lernt in ihr nicht nur einen der faszinierendsten Wissenschaftler kennen, der sich zeitlebens gegen Ausbeutung und Sklaverei eingesetzt hat, sondern auch einen Vorreiter des modernen Umweltschutzes. Viele Beobachtungen, die Humboldt auf seinen Reisen im Kleinen gemacht hat, lesen sich heute – vor dem Hintergrund der Ausbeutung des Regenwaldes – erschreckend aktuell. Seine Vorstellung von der Natur, in der vom Kleinsten bis zum Größten alles miteinander verbunden ist und seine Annahme, dass die Natur sowohl den Verstand als auch das Herz erfasst, sollte aus heutiger Perspektive neu diskutiert werden. Besonders aufschlussreich ist hier das Kapitel über den Empirismus und Sensualismus und das Naturbild der Romantik (vgl. Dichtung, Wissenschaft und Natur: Henry David Thoreau und Humboldt). Das Kapitel, in dem Humboldts Einfluss auf Goethes „Faust“ deutlich wird, ist ebenfalls ein großer Gewinn für den Deutschunterricht in der Oberstufe (vgl. Fantasie und Natur: Johann Wolfgang von Goethe und Humboldt, S. 47ff). Wulfs Biographie kann auch als Ergänzung zu Daniel Kehlmanns Roman: „Vermessung der Welt“, der häufig in der Oberstufe gelesen wird, herangezogen werden. 

Gattung

  • Sachbücher

Sachbuchkategorie

  • Biografien, Autobiografien, Porträts
  • Forschen, Entdecken, Experimentieren
  • Natur, Tiere, Lebensräume
  • Literatur, Lesen, Sprache
  • Philosophie, Religion, Menschsein
  • andere Länder & Kulturen, Reisen, Abenteuer

Eignung

für die Schulbibliothek empfohlen

Jahrgangsstufen

10 bis 13

Fächer

  • Biologie
  • Deutsch
  • Ethik/Religionslehre (Evang. Religionslehre
  • Geografie/Erdkunde
  • Geschichte

FÜZ

  • Politische Bildung
  • Soziales Lernen
  • Werteerziehung
  • Kulturelle Bildung
  • Interkulturelle Bildung

Erscheinungsjahr

2016

ISBN

9783570102060

Umfang

560 Seiten

Medien

  • Buch
  • E-Book
  • Hörbuch