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Tamara Bach: Vierzehn

Besprechung

Die Adoleszenz ist eine Zeit des Übergangs: Man verlässt die Kindheit, wendet sich Neuem zu. Beh, deren echten Namen wir erst auf der letzten Seite erfahren, lebt einen ganz normalen Tag vom Aufstehen bis zum Schlafengehen und doch passiert so vieles, was dieses Leben durcheinanderbringt: Ihre Mutter lässt sie den Tag über allein, sie besucht ihren Vater, der gerade ausgezogen ist, und durch Andeutungen erfährt sie, dass er mit einer jüngeren Frau ein Kind erwartet. Ihre eigene, zarte Liebesgeschichte zu Anton fängt erst an und auch hier bekommen wir als LeserInnen nur Andeutungen. Was stand denn auf der Karte mit den Elefanten, die sie von ihm per Post bekommen hat? Was ist eigentlich bei der Klassenfahrt in Polen passiert, was Beh nicht miterleben konnte und von dem alle anderen an diesem ersten Schultag nach den Ferien sprechen? Was war das eigentlich für eine langwierige Krankheit, die sie vor den Ferien aus der Schule gerissen hat? Schon das Cover stellt verlassene Orte dar, an denen einmal viel Leben war: Ein Sprungturm, ein Spielplatz, ein Lichtschalter in einem Gang (einer Schule?). Hausaufgabe für den Kunstunterricht ist es, solche Ort zu fotografieren, und diese Aufgabe nimmt Beh auch ernst, diese Orte leiten sie am Rest des Tages. Sie sind Leerstellen und Leerstellen leiten auch das Lesen des in seiner Einfachheit hochkomplex konstruierten Buches, das gerade durch seine Auslassungen und nachträglichen Auflösungen fasziniert, die wieder neue Leerstellen lassen.

Es passiert nicht viel in diesem Buch und trotzdem wird eine atemberaubende Spannung gehalten: Liegt es daran, dass man das „große Ereignis“ erwartet, das aus dem Alltag herausragt? Oder liegt es umgekehrt gerade daran, dass sich nichts Besonderes ereignet, dass wir aber den dargestellten Alltag alle so gut aus unserem eigenen Leben kennen, dass wir hineingesogen werden in die Banalität der heftigen Gefühle? Diese werden mit einer Behutsamkeit und doch Gewalt erzählt, wie man sie selten im aktuellen Jugendbuch findet.

Tamara Bach, 1976 in Limburg an der Lahn geboren, erhielt 2004 den Deutschen Jugendliteraturpreis für „Marsmädchen“ und hat seitdem fünf weitere Jugendbücher geschrieben, alle recht kurz und alle literarisch hochkomplexe Gebilde, die in ihrem minimalistischen Ton das Leben von Jugendlichen auf den Punkt bringen. Auch deshalb wundert es nicht, dass „Vierzehn“ auf der Nominierungsliste des Deutschen Jugendliteraturpreises 2017 steht.

Didaktische Hinweise

„Vierzehn“ ist ein Buch, das sich wohl eher an weibliche Leser richtet. Es hat es verdient, in den Deutschunterricht aufgenommen zu werden – und sei es nur in Auszügen. Die kurzen Kapitel aus dem Alltag eignen sich gut dazu. Einzeln sind sie fast als Kurzgeschichten zu lesen, bei denen die jugendlichen Leser die dahinterstehende Biographie erraten können. Für Deutschlehrkräfte ist schon die außergewöhnliche Erzählperspektive ein Vergnügen: Es wird in der Du-Perspektive erzählt und gleich fühlt sich der Leser angesprochen, identifiziert sich mit dem, was Beh über sich selbst als „Du“ erzählt.

Alle hier rezensierten Werke von Tamara Bach

Gattung

  • Romane

Eignung

für die Schulbibliothek empfohlen

Jahrgangsstufen

8 bis 10

Fächer

  • Deutsch

Erscheinungsjahr

2017

ISBN

9783551583598

Umfang

112 Seiten

Medien

  • Buch