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Bret Easton Ellis: Imperial Bedrooms

Besprechung

Der Drehbuchautor Clay erzählt die Geschichte an Weihnachten 20 Jahre später in Ich-Form als Fortsetzung von „Unter Null“, dem ersten Roman von Ellis, der Titel stammt wieder von Elvis Costello. Zu Beginn distanziert er sich vom Autor und dessen Rolle als Beobachter und Beteiligter (als lover von Blair) und kritisiert den Film, der wenig später gedreht wurde und die Handlung sowie die Aussage verfälscht habe. Damit hat sich Bret Easton Ellis von seinem Ich-Erzähler abgespalten, der offenbar dennoch sein Alter Ego im Roman darstellt. Clay hat vier Monate in New York verbracht und kehrt nach L.A. zurück, um am Casting für einen neuen Film teilzunehmen. Er hat eine Schauspielerin kennengelernt, der er eine Rolle verspricht, um sie ins Bett zu kriegen. Obwohl die 20 Jahre nicht spurlos an ihm vorübergegangen sind, gelingt ihm das, er gerät jedoch in das alte Spiel von Gewalt und Drogen, da seine Freunde Julain und Rip mit derselben Frau liiert sind. Dekadenz und Agnostizismus, Egomanie und Nihilismus sind wie in der ersten Geschichte Charakteristika der Generation der jetzt 40-Jährigen. Das Motiv der Angst bei gleichzeitiger Gefühlskälte, mit dem der Roman endet, drückt sich in den wiederkehrenden Träumen von dem toten Jungen aus, von dessen Eltern Clay seine Wohnung gekauft hat. Außerdem wird er während seines Aufenthalts in L.A. von einem blauen Jeep verfolgt und er sieht sich in einem Netz von Beobachtung und Bedrohung: Er erhält SMS-Botschaften von jemandem, der alles von ihm zu wissen scheint. Am Schluss gibt es wieder Folter und Todesopfer, Clay wird gezwungen, ein Video über die Hinrichtung von Julian anzuschauen, die mit seiner eigenen Stimme aus einer Handy-Botschaft an Julian unterlegt ist. Das ist das einzige, was sich geändert hat. Neue Technologien dienen dazu, den Alptraum der Entprivatisierung des Privaten zu vervollkommnen.

Didaktische Hinweise

Wegen der schier unerträglich brutalen Folterszenen und dem Fehlen jeglicher Werteperspektive ist von einer Lektüreempfehlung im schulischen Rahmen abzuraten. Sollte sich trotzdem eine Lehrkraft auf diesen Titel einlassen, z. B. im Rahmen eines W-Seminars zur amerikanischen Gegenwartsliteratur oder einer einschlägigen Facharbeit, ist hier mit größter pädagogischer Verantwortung vorzugehen. Die Analyse der Erzählformen und der Motive müsste zu einer Entscheidung führen, ob es sich um einen typischen Pop-Roman handelt, der aus Sicht des um 20 Jahre älter Gewordenen die amerikanische Gesellschaft betrachtet, oder ob, wie manche Kritiker*innen meinen, B.E. Ellis einfach ein mieser, brutaler Junkie ist und das aufschreibt, was er denkt oder sich wünscht. Spannend ist eine Untersuchung der Reaktionen der Rezensent*innen: Einer meint, es handle sich um BEE's bestes Buch, andere finden es langweilig, da nichts Neues ausgesagt werde.

Gattung

  • Romane

Eignung

für die Schulbibliothek empfohlen

Altersempfehlung

Jgst. 11 bis 13

Fächer

  • Deutsch
  • Englisch

FÜZ

  • Sprachliche Bildung
  • Werteerziehung

Erscheinungsjahr

2010

ISBN

9783462042368

Umfang

215 Seiten

Medien

  • Buch