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Antoine de Saint Exupéry: Der kleine Prinz

Besprechung

Saint-Exupéry gehört seit Jahrzehnten zum Schulkanon, vor allem in den Fächern Französisch und Ethik. Ebenso sind Zitate aus der philosophischen Abhandlung beliebte Redeneinsprengsel bei Abiturfeiern oder Gottesdiensten. Am 10.12.2015 kam der französische Animationsfilm „Der kleine Prinz“ in deutsche Kinos. Das Buch selbst hat sich mit über 80 Millionen verkauften Büchern zu einem Selbstläufer entwickelt, der auch von Schülerinnen und Schülern als Grundlage für ihre philosophische Einstellung gerne angenommen wird. Bekannt ist dabei die Ausgabe mit der Übersetzung von Marion Herbert und den Zeichnungen des Autors. Mit dieser Ausgabe wird Neues gewagt: Die Übersetzung stammt von dem Karlsruher Philosophen Peter Sloterdijk, die Illustrationen von Nicolas Mahler. Besonders spannend ist denn auch das Nachwort Sloterdijks, dem Rektor der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe sowie dort Professor für Philosophie und Ästhetik. Hier betont er in der Tradition des romantischen Kindheitsbilds und Nietzsches, der Mensch müsse zum Kind erzogen werden, wenn er ganz Mensch sein wolle. Dass Sloterdijks Übersetzung ausgerechnet moderiert vom Entertainer Thomas Gottschalk im Berliner Ensemble vorgestellt wurde, zeigt, welch merkwürdige Kreuzungen zwischen Popkultur und Philosophie Saint-Exupérys Werkchen mittlerweile eingegangen ist. Nicolas Mahler, geboren 1969, lebt und arbeitet als Comiczeichner und Illustrator in Wien. Seine Comics und Cartoons erscheinen in Zeitungen und Magazinen wie Die Zeit, NZZ am Sonntag, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und in der Titanic. In der Reihe „Graphic Novels“ beim Suhrkamp-Verlag hat er u.a. Thomas Bernhards „Alte Meister“, Robert Musils „Der Mann ohne Eigenschaften“ oder Frank Wedekinds „Lulu“ graphisch umgesetzt. Für sein Werk erhielt er unter anderem den Max-und Moritz-Preis als »Bester deutschsprachiger Comic-Künstler«. Seine zeichnerische Umsetzung reduziert die Formen auf ein Minimum, kräftige schwarze Striche und wenige Farben sind der absolute Kontrast zu Saint-Exupérys Zeichnungen. Mahler betont, dass es ihm zunächst schwerfiel, ein Buch zu illustrieren, das der Autor selbst illustriert hatte. Dann habe er sich „freigezeichnet“, wie er im „Deutschlandfunk“ kundtut: "Auch dadurch, dass im Buch ja schon eigentlich der Ich-Erzähler immer von seinen Schwierigkeiten berichtet, schöne Zeichnungen zu machen. Und dass das Zeichnen an sich auch im Buch thematisiert wird. Und das hat mich dann schon interessiert, mit der Zeichnung direkt auf den Text zu reagieren." Für Leserinnen und Leser, die an Saint-Exupérys Klassiker gewöhnt sind, ist Mahlers Herangehensweise sicher erst einmal schockierend eindimensional. Der Band eignet sich wohl eher für ältere Schülerinnen und Schüler, Sloterdijk bezeichnet den „kleinen Prinzen“ als Bildungsroman und Initiationsprotokoll und als solcher hat das Buch in der Schule auch immer funktioniert und nicht als „Kinderbuch“. Bei der Vorstellung der Übersetzung in Berlin meinte Sloterdijk denn auch: Es ist kein Kinderbuch, sondern ein Buch über die Entfremdung der Erwachsenen von ihren kindlichen Begabungen." Als solches sind das philosophische Nachwort und die Illustrationen für jüngere Schülerinnen und Schüler zu sperrig. Trotzdem kann auf die vorliegenden Übersetzungen im Vergleich zu der von Sloterdijk eingegangen werden oder auf die Illustrationen des Autors im Vergleich zu denen Mahlers, der ja behauptet, man könne "durch die Zeichnungen immer noch das Original durchschimmern sehen". Für den Unterricht interessant ist auch die Internetseite www.derkleineprinz-online.de/text/, wo man den Text in einer Übersetzung von Alexander Varell findet.

Didaktische Hinweise

Gattung

  • Kurzprosa, Erzählungen, Textsammlungen, Tagebücher

Eignung

in Auszügen geeignet

Altersempfehlung

Jgst. 9 bis 13

Fächer

  • Deutsch
  • Ethik/Religionslehre (Evang. Religionslehre
  • Französisch
  • Philosophie

Erscheinungsjahr

2015

ISBN

9783458200178

Umfang

105 Seiten

Medien

  • Buch