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Stefan Rensch: Willow in Deutschland

Besprechung

Ein umwerfend vergnügliches Buch über einen Außerirdischen, der Deutschland erkundet.

Zugegeben: Die Idee ist nicht neu, aber ich habe beim Lesen so gelacht, dass ich mehrmals drohte, vom Sofa zu fallen. 

In einem Tagebuch, in dem jeder Tag vom 1. Januar bis zum 31. Dezember säuberlich notiert ist, hält der Außerirdische, der sich auf Erden Willow nennt, seine Eindrücke fest. Denn er muss die Erde erkunden, ehe die Menschheit doch noch intelligent wird. Willows Körper ist „Durchschnitt“, dennoch oder womöglich deshalb ist Willow zunächst schockiert, ehe er sich an ihn gewöhnt, vor allem daran, dass Menschen Schmerzen ertragen müssen und krank werden können: „Hallo Herpes. Ich mag dich nicht. Geh weg.“

Willow sieht aus, wie man sich einen dicklichen, männlichen Spießer vorstellt. Die Fotografien von Katja Früh, die nicht nur das Cover zieren, sondern auch die Innenseiten, bestätigen diesen Eindruck.

Wie in jedem Werk, das den Blick von außen auf ein Land oder eine Zeit richtet, entstehen sowohl Komik als auch Erkenntnis durch das Nichtverstehen der Hauptfigur. Außerdem hat Willow keinen Humor und erkennt auch keine Ironie. So stolpert er unverdrossen gut gelaunt durch eine kleine Stadt im Rheinland und versucht, die Menschen kennenzulernen, denn dafür ist er hier. Seine ersten Bekanntschaften macht er, indem er sich seinen Nachbarn gnadenlos aufdrängt, unter anderem der kratzbürstigen Kunststudentin Karla, dem mundfaulen Heavy-Metal-Fan Klausi und dem verklemmten Sachbearbeiter Torben, der Willow in die Welt der Pornofilme einführt. Und das ist der Grund, warum der Roman als Klassenlektüre leider wohl nicht geeignet ist, wenngleich die Szenen nicht beschrieben werden und auch Willow keine sexuellen Kontakte herstellen kann.

Ansonsten könnte man mit den Schülerinnen und Schülern die Erscheinungen des modernen Lebens anhand des Romans erörtern, denn schließlich will Willow alle Facetten des menschlichen Daseins kennenlernen: das Internet, Snapchat, Netflix, Fernsehen, die moderne Kultur, Willow managt zwei Rapper, arbeitet als Manager in der Stadtverwaltung und liebt fast jede Art von Musik: „Karla fragt, ob ich morgen mit auf ein Konzert in den Salon des Amateurswolle. Ich frage, wer spielt. Sie sagt Nymphomanin des Herzens und als Spezialgast Ich hasse dich. Och nö, denke ich, wird wieder so Schubidu [...].“

Willow versucht sich in verschiedenen Hobbys, Fallschirmspringen und Reiten einbegriffen, und schließlich legt er sich ein Haustier zu, auch wenn er anfangs skeptisch ist: „Es ergibt für mich absolut keine Sinn, dass Tiere andere Tiere halten, mit denen sie nicht reden können [...].“

Didaktische Hinweise

Auch wenn man den Roman nicht als Klassenlektüre verwenden kann, eignen sich auf jeden Fall Auszüge für viele verschiedene Themen. In die Schulbibliothek sollte man das Buch unbedingt stellen und Teenagern mit Stimmungstiefs empfehlen, sie bekommen davon sicherlich wieder gute Laune. Allen Kolleginnen und Kollegen sei der Roman ebenfalls ans Herz gelegt: Ein wunderbares Vergnügen an verregneten Feriennachmittagen ohne Korrekturen!

„Willow in Deutschland“ ist auch als Hörbuch, gelesen von Christian Ulmen, erhältlich. Auf der Website des Verlags finden sich eine Leseprobe sowie sehr knappe biographische Notizen zum Autor. Ansonsten gibt es über den Verfasser auch in den Weiten des Netzes nicht das Geringste zu erfahren. 

Gattung

  • Romane
  • Science-Fiction

Eignung

für die Schulbibliothek empfohlen

Jahrgangsstufen

11 bis 13

Fächer

  • Deutsch

FÜZ

  • Kulturelle Bildung
  • Politische Bildung

Erscheinungsjahr

2018

ISBN

9783453271838

Umfang

224 Seiten

Medien

  • Buch
  • Hörbuch