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Ronya Othmann: Die Sommer

Besprechung

Die Tochter eines kurdisch-syrischen Vaters und einer deutschen Mutter wächst zwischen zwei Kulturen und vor dem Hintergrund eines schweren politischen Konflikts auf. Leyla ist in Deutschland geboren, Deutsch ist ihre Muttersprache. Ihr Vater ist Kurde und stammt aus dem syrischen Teil Kurdistans. Die Sommer ihrer Kindheit verbringt Leyla mit ihren Eltern bei den Großeltern, die sich zunächst gegen die deutsche Schwiegertochter gewehrt hatten. Leyla jedoch, heißt es, habe ihre Großmutter mit dem Vater versöhnt, sie liebt die Ferien in dem kleinen Dorf. Es ist heiß und alle schlafen im Freien. Es gibt keine Türen, man ist immer mit anderen zusammen, nicht alle vertragen sich. In dem mittleren Teil des Buchs erzählt der Vater in Ich-Form seiner Tochter, wie er Syrien verließ, weil er als „Staatenloser“ keine Rechte, sondern viele Nachteile hatte und nicht studieren durfte. Nach Folter und Gefängnis wurde er über die Türkei unter falscher Identität hinausgeschleust und kam nach Deutschland. Der zweite Teil des autofiktionalen Romans ist Leylas Schulzeit gewidmet. Es ist nicht einfach, den Münchner Mitschülern und Lehrern zu erklären, dass man aus einem Land stammt, das es offiziell nicht gibt, dass man nicht moslemischen Glaubens ist, sondern Jesidin, und nicht arabisch spricht. Leyla geht dann zum Studium nach Leipzig, will unabhängig sein, fühlt sich einsam und entdeckt ihre Liebe zu Frauen. Unter dem Eindruck der Bilder von Krieg und Zerstörung des Syrien-Kriegs und der Begegnungen mit den sich über Deutschland verteilenden geflüchteten Verwandten, erinnert sich Leyla an die Sommer im Dorf. Schließlich kommt auch der Bruder des Vaters mit der Großmutter nach Deutschland. Sie verwirrt das fremde Land völlig und bald darauf stirbt sie. Die Trauerfeier mit der wiedervereinten Familie bildet das Ende des Romans. Ronya Othmann erzählt meist aus Leylas Sicht, lebendig schildert sie Szenen aus dem Leben ihrer Verwandten im Dorf, nüchtern und sachlich teilt sie ihre Erfahrungen mit anderen Jugendlichen und die Eindrücke aus der fremden Stadt Leipzig mit, genauso die hilflose Verzweiflung angesichts der Fernsehberichte aus dem Krieg, die der Vater den ganzen Tag verfolgt.

Didaktische Hinweise

Junge Leser*innen können sich mit der der Erzählerin (*1992) identifizieren, ihren Schwierigkeiten mit Eltern und Freundinnen, ihrer Rebellion und ihrer Suche nach den Wurzeln. In den meisten Klassen sind Schülerinnen und Schüler, die aus Kurdistan oder Syrien stammen oder einen anderen Migrationshintergrund haben. Die Geographie Kurdistans und die politischen Verhältnisse, die zum Krieg in Syrien und zur Verfolgung der Kurden geführt haben, sollten recherchiert werden. Dazu sind auch die Kolumnen von Ronya Othmann aus der TAZ im Netz verfügbar. Die Diskussion der Jury für den Bachmann-Preis 2019, ob man über einen Text von Ronya Othmann zum Genozid an den Jesiden durch den IS urteilen dürfe, könnte auch in der Klasse stattfinden. Ein P-Seminar könnte ein Filmprojekt starten.

Gattung

  • Romane

Eignung

sehr gut als Klassenlektüre geeignet

Altersempfehlung

Jgst. 9 bis 13

Fächer

  • Deutsch
  • Ethik/Religionslehre (Evang. Religionslehre
  • Interkulturelle Erziehung

FÜZ

  • Politische Bildung
  • Werteerziehung

Erscheinungsjahr

2020

ISBN

9783446267602

Umfang

285 Seiten

Medien

  • Buch
  • E-Book