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Tuutikki Tolone: Monsternanny - Eine ungeheuerliche Überraschung

Besprechung

Endlich soll sich Mama einmal erholen dürfen – sie hat nämlich in einem Preisausschreiben einen Wellnessurlaub gewonnen. Papa, die „unsichtbare Stimme“, soll in der Zeit die Betreuung der drei Kinder Hilla, Kaapo und Maikki übernehmen. Da er aber wie befürchtet nicht rechtzeitig nach Hause kommt – Schneesturm im Sommer verhindert seinen Abflug – trifft es sich gut, dass mit dem Gewinn auch eine Monsternanny geschickt wird. Und das ist tatsächlich ein Monster, eine Art gutmütiger Troll mit langen Haaren, das unentwegt staubt und, wenn es nicht gebraucht wird, die Zeit im Flurschrank steht. Ein Buch aus der Bücherei verrät den Dreien, dass sich Grah, so heißt ihr Kindermädchen, im Wald am wohlsten fühlt. Mit ihr kommunizieren kann aber nur Maikki, sie hat einen Draht zu besonderen Wesen. So spricht sie mit dem Bademantel, der ihr auch Andeutungen zu Grah machen kann. Als die Geschwister dann auch noch herausfinden, dass viele andere Kinder ebenfalls von einer Monsternanny betreut werden und sie zudem ein nie gesehenes Mückenwesen fangen, kommt Bewegung in die Geschichte. Als die Nannys dann verschwinden, nimmt die Handlung etwas an Fahrt auf…

Das Kinderbuch „Monsternanny“, das von Anu Stohner übersetzt und von Pasi Pitkänen illustriert wurde, ist eine Geschichte, wie man sie vor allem in Skandinavien finden kann. Wie in Ronja Räubertochter und anderen Werken nimmt eine gewaltige, bisweilen geheimnisvolle Natur, der sich die Kinder alleine stellen müssen, großen Raum ein. Hier sind die Eltern der Kinder verreist, die Monsternannys selber werden in den seltenen Momenten der Anwesenheit von Erwachsenen unsichtbar. Dennoch aber kommt „Monsternanny“ nicht ganz an Ronja und Co heran. Die Kinder sind zwar starke Charaktere, aber die Handlung kommt nur zögerlich in Schwung und wirkt manchmal nicht ganz stimmig. So ist unklar, wer die Nannys geschickt – und vorher ausgebildet hat. Dass wohl viele kommen mussten, um eine der ihren zurück unter die Erde zu bringen, kann man nur vermuten. Auch ist die Rolle der mysteriösen Mücke und der unheimlichen Frauen nicht geklärt. Es ist anzunehmen, dass sie im zweiten Band, der schon bereitliegt, wichtig werden. Und wer hat das Preisausschreiben organisiert, das die vielen alleinerziehenden Mütter der Kleinstadt gewonnen haben? Neben diesen offenen Fragen und teils konstruiert wirkenden Settings hat die Handlung bisweilen Längen. Dennoch ein nett geschriebenes Buch mit durchaus überraschenden Wendungen!

Didaktische Hinweise

Immer zwischen der realen und fantastischen Welt befindlich, bietet die „Monsternanny“ auch für den Unterricht sehr unterschiedliche Zugänge für den Leser und die Bearbeitung innerhalb des Unterrichts.

Grundlegend ist die Familie, innerhalb welcher nicht nur die sozusagen allein erziehende Mutter als typisch dargestellt wird (auch die Nachbarsfamilien scheinen ganz ähnlich zu funktionieren), sondern eben auch der arbeitetende Vater, der durch seinen Beruf fast nie zu Hause sein kann. Dies mag als Basis für das Sprechen über verschiedene Familienkonstellationen dienen, auch wenn dieses – schon allein aufgrund des Alters der Schülerinnen und Schüler – sicherlich behutsam geschehen sollte.

Daneben stehen die sich entwickelnden Freundschaften unter den gleichaltrigen Kindern der verschiedenen Familien, welche dem Anschein nach erst durch die gemeinsamen Monster aufeinander aufmerksam werden. Das scheint zwar auf den ersten Blick ungewöhnlich, allerdings wirken die jeweiligen Familien sehr in sich geschlossen und öffnen sich erst, als die Gemeinsamkeit „Monster“ offenbar wird.

Der reizvollste Aspekt ist sicherlich das „Monster“, welches nicht nur die kindliche Fantasie anregt und beflügeln kann, weil sie an diversen Stellen erzählerische Lücken mit eigenen Ideen füllen können. Zugleich bietet sich auch die Entwicklung eigener Geschichten und Abenteuer mit so einer Monsternanny an, was sicherlich zu verschiedensten Erzählungen führt.

Ein großer Pluspunkt ist außerdem die Sprache. Viele der angesprochenen Wesen und Situationen werden durch die Art der Beschreibungen zu zarten Bildern im Kopf – oder zu Illustrationen auf Papier im Kunstunterricht.

Gattung

  • Fantasy
  • Romane

Eignung

als Klassenlektüre geeignet

Jahrgangsstufen

3 bis 5

Fächer

  • Deutsch
  • Kunst (Fachzeichnen)

Erscheinungsjahr

2018

ISBN

9783446258808

Umfang

304 Seiten

Medien

  • Buch