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Oliver Uschmann, Sylvia Witt: Meer geht nicht

Besprechung

Gute Einsteigerlektüre für Nicht- und Wenigleser!

Die vier 13-jährigen Schulfreunde Kevin, Bina, Sharif und der Ich-Erzähler Samuel könnten nicht unterschiedlicher sein: Samuel, der in Bina verliebt ist, hat ein Faible für witzige Schilder. Sahrif träumt von einer Karriere als Stuntman. Bina hat eine Leidenschaft für Reparaturen aller Art, Anregungen dafür holt sie sich bei ihren Lieblingsyoutubern „My Mechanics“. Kevin dagegen kocht gerne, vielleicht auch weil seine alleinerziehende Mutter Tag und Nacht schuftet. Für einen kleinen Urlaub am Meer hat es dennoch nie gereicht. Als seine Freunde dies erfahren, sind sie sich einig: Kevin muss ans Meer und zwar möglichst bald. Gerade Bina, deren Mutter von einem LKW überfahren wurde, weiß, wie kostbar das Leben ist, das doch jeden Moment vorbei sein kann. Ihr Vater aber und die Eltern der anderen haben für einen Ausflug ans Meer keine Zeit: Meer geht nicht. Also nehmen die Vier die Reise selber in die Hand und erleben dabei allerhand Abenteuer.

„Superlesbar” nennt sich die neue Sparte von beltz/Guliver – und die Bücher sind es tatsächlich. Der Fließtext ist durch viele Absätze aufgelockert und dadurch gering. Auch der Gesamtumfang ist sehr überschaubar. Hinzu kommt eine serifenfreie Schrift, die auch SchülerInnen mit Leseschwäche das Lesen erleichtert. Die Sprache ist einfach und der Plot kurzweilig. Dazu findet wohl jede/r LeserIn in einem der unterschiedlich gezeichneten Hauptpersonen eine Identifikationsfigur: Die Charaktere entstammen unterschiedlichen sozialen Milieus und jeder für sich ist stark. Auch die Handlung ist mit dem Diebespaar, dem die vier auf den Leim gehen, mit Trampen, mit Irrwegen, Übernachtungen in der freien Natur und einem Gewitter kurzweilig. Die Teenager entfernen ein Wespennest und erledigen Arbeiten in einer Pension am Meer, um sich das Geld für das Rückfahrticket zu verdienen. Und ganz nebenbei erfüllen sie sich dabei ihre Träume: Kevin kommt ans Meer und Sam mit Bina zusammen. Sahrif macht in Form einer Dachpflege seinen ersten kleinen Stunt. Das Buch entlässt den Leser beschwingt und mit dem Gefühl, alles im Leben zu schaffen. Für optimales Lesefutter bräuchte es nun noch einen Fortsetzungsband

 

 

Didaktische Hinweise

„Meer geht nicht” ist geglückte Auftragsliteratur, die durch das Konzept, gut lesbare Bücher für leseschwache SchülerInnen zu schaffen, eine bislang wenig berücksichtigte Gruppe abzuholen vermag. Auf der Rückseite wird in Altersstufen für Eltern und Lehrkräfte angegeben, welches Leseniveau (hier 9 Jahre) notwendig ist und für welche Altersgruppe es sich vom Inhalt tatsächlich eignet (hier für Leser ab 11 Jahre).

Als Klassenlektüre ist es aufgrund dieses einfachen Leseniveaus, das alle SchülerInnen mitzunehmen vermag, des geringen Umfangs, des Inhalts und der verschiedenen Identifikationsangebote hervorragend geeignet. Dabei kann man an manchen Stellen in der unterrichtlichen Behandlung trotz des einfachen Leseniveaus thematisch in die Tiefe gehen. Auf den Seiten 58/59 etwa bewundert Sharif Leute, die ohne Sicherungsseil auf Sendemasten klettern, was von Bina, die das Leben zu kostbar für so ein Risiko findet, hart verurteilt wird.
Eine Vielzahl konkreter Aufträge findet man im für LehrerInnen kostenlos zur Verfügung gestellten Unterrichtsmaterial. Die Kopieraufträge sind sehr eng bedruckt und dadurch weniger „superlesbar“, aber die Lehrkraft kann einzelne Aufträge aus dem Übermaß an Angeboten auswählen.

Gattung

  • Romane

Eignung

sehr gut als Klassenlektüre geeignet

Altersempfehlung

Jgst. 7 bis 8

Fächer

  • Deutsch

Erscheinungsjahr

2020

ISBN

9783407749970

Umfang

143 Seiten

Medien

  • Buch