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Ian McEwan: Maschinen wie ich

Besprechung

Der Roman „Maschinen wie ich“ des englischen Erfolgsautors Ian McEwan spielt in London im Jahr 1982 während des Falklandkriegs. Im Mittelpunkt der Handlung steht der 30-jährige Charlie, der nichts auf die Reihe kriegt und der seinen Lebensunterhalt mit nicht immer ganz erfolgreichen Börsenspekulationen verdient. Nach dem Tod seiner Eltern und dem Verkauf seines Elternhauses kauft sich Charlie für 86.000 Pfund einen Roboter aus der ersten Produktionsreihe, Modell Adam. Gemeinsam mit seiner Obermieterin Miranda, in die Charlie verliebt ist, programmiert er den sehr echt aussehenden Androiden, der beim Aufladen langsam zum Leben erwacht. Während sich Adam zunächst v.a. um den Haushalt kümmert, wird er im weiteren Verlauf der Handlung immer mehr zu einem Teil von Charlies und Mirandas Leben. Dazu gehört nicht nur, dass Charlie entdeckt, dass Adam seine Börsengeschäfte wesentlich erfolgreicher abschließt als er, sondern es entsteht eine nicht ganz unkomplizierte Dreiecksbeziehung. Als es Charlie zu viel wird, weil er vermutet, dass Adam Gefühle für Miranda entwickelt und den Anschaltknopf drücken will, wehrt sich Adam und Charlie landet mit einem gebrochenen Handgelenk in der Notaufnahme des Krankenhauses. Aber nicht nur körperlich, sondern auch intellektuell erweist sich Adam seinem Umfeld als haushoch überlegen. Er liest Fachliteratur über Quantenphysik und Shakespeare und schreibt jede Menge Haikus, die er Miranda vorträgt. Auf der Grundlage der von Charlie und Miranda vorgenommenen Einstellungen entwickelt Adam mehr und mehr seine eigenen moralischen Prinzipen, die er absolut setzt. Adams moralischer Rigorismus wird aber nicht nur für Miranda und Charlie, sondern auch für Adam selbst zu einem Problem: Für Adam gibt keine menschlichen Widersprüche, keine moralische Grauzonen, eine Tatsache, die nicht nur Adam zunehmend überfordert, sondern auch etliche andere Androide aus seiner Serie, die eine ihnen eigene Form des Selbstmords wählen, indem sie sich langsam abschalten. Adams Moralprinzipien stellen aber auch Mirandas und Charlies Beziehung auf eine harte Probe: Miranda, die in ihrer Jugend mitansehen musste, wie ihre beste Freundin vergewaltigt worden ist und sich schließlich das Leben genommen hat, hat auf ihre ganz eigene Art und Weise Rache geübt und so den Täter ins Gefängnis gebracht. Zur Zeit der Romanhandlung kommt dieser gerade wieder auf freien Fuß und plant, sich für Mirandas Tat zu rächen. Adam beginnt in der Sache zu ermitteln und setzt so eine ganze Kettenreaktion in Gang. Anders als von ihm intendiert, bringt er Miranda durch seinen Anspruch auf absolute Gerechtigkeit in ernsthafte Schwierigkeiten. Flankiert und theoretisch reflektiert werden Adams Handlungen immer wieder durch Charlies fiktive Treffen mit dem einflussreichsten Theoretiker der frühen Computerentwicklung Alan Turing.

Didaktische Hinweise

Die Lektüre von „Maschinen wie ich“ im Unterricht ist zu empfehlen, da der Roman eine der ganz großen Fragen unserer Zeit thematisiert: die Debatte um Möglichkeiten und Grenzen von Künstlicher Intelligenz. Dabei wirft McEwan gleich eine ganze Reihe an großen Menschheitsfragen auf: Es geht nichts Geringes als um das Verhältnis von Schuld und Sühne, Wahrheit und Lüge, Recht und Moral, Leben und Tod, Liebe und Verantwortung.

dazu: Bayern 2: radioTexte

Alle hier rezensierten Werke von Ian McEwan

Gattung

  • Romane

Eignung

als Klassenlektüre geeignet

Jahrgangsstufen

10 bis 13

Fächer

  • Deutsch
  • Englisch
  • Ethik/Religionslehre (Evang. Religionslehre
  • Informatik/Wirtschaftsinformatik
  • Medienerziehung

FÜZ

  • Medienbildung/Digitale Bildung
  • Interkulturelle Bildung
  • Politische Bildung
  • Soziales Lernen
  • Werteerziehung

Erscheinungsjahr

2019

ISBN

9783257070682

Umfang

416 Seiten

Medien

  • Buch
  • E-Book
  • Hörbuch