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Ari Folmann, David Polansky: Das Tagebuch der Anne Frank. Graphic Diary

Besprechung

Es ist einer der bekanntesten Titel der Weltliteratur, der zahlreiche Menschen zur Auseinandersetzung mit der Nazi–Ära brachte. Ari Folmann und David Polansky haben daraus ein Graphic Diary gemacht: Sie mussten dafür eine Auswahl an Originaltagebucheinträgen von Anne Frank treffen und diese mit ihren Illustrationen verbinden. Der größte Teil der Graphic Novel besteht aber notwendigerweise aus Verdichtungen des Originaltextes in Wort und Bild. Den beiden „Autoren“ ist es auf hervorragende Weise gelungen, werkgetreu Anne Franks Tagebuch in eine andere Form zu bringen. So ist eine Graphic Novel entstanden, die Anne Franks Aufzeichnungen überaus lebendig werden lässt. Vor den Augen der Leserinnen und Leser entsteht das Bild einer Gleichaltrigen, die sich mit ihrer Familie und anderen Juden von Juli 1942 bis August 1944 in einem Amsterdamer Hinterhaus vor den Nazis versteckt. In ihrem Tagebuch, das sie an eine imaginäre Freundin namens Kitty adressiert, schreibt Anne nicht nur von ihrem Kosmos im Hinterhaus der Prinsengracht 263, sondern auch von ihren widerstreitenden Gefühlen. Sie hadert mit ihren Eltern, ihrer perfekten Schwester und vor allem mit sich selbst. Sie beschreibt eindrucksvoll Perioden der Niedergeschlagenheit und Verzweiflung, sie schreibt von ihren Hoffnungen und Albtäumen, ihrer sich entwickelnden Sexualität, ihrer Verliebtheit in Peter, einem Mitbewohner im Versteck, ihrer Zerrissenheit zwischen der frechen und der stillen Anne und natürlich von den Macken der Menschen, mit denen sie auf engstem Raum zusammenleben muss. Dabei wird deutlich, dass Anne Frank einerseits ein ganz normales „Pubertier“ ist, auf der anderen Seite aber auch hochgradig selbstreflexiv und reif, die mit einem poetischen Blick auf die Welt um sich herum schaut.

Didaktische Hinweise

Das Buch ist hervorragend geeignet z. B. als Einstieg in die Themenkreise Holocaust, Nationalsozialismus, Erwachsenwerden, Kinderrechte; auch im Rahmen eines fächerübergreifenden Unterrichts. Zusätzlich können über die kostenlose App WDR AR 1933–1945 via augmented reality drei Zeitzeugen ins Klassenzimmer „gebracht“ werden, die über Anne Franks Leben erzählen. Dazu kommen Einsatzmöglichkeiten, die die Gattung der Graphic Novel bietet.

Ziel: literarisches Lernen mit Text und Bild im Sinne des erweiterten Literaturbegriff:

  • Gattung der Graphic Novel kennenlernen (Information dazu z. B. in Praxis Deutsch Nr. 252)
  • Bildsprache einer Graphic Novel untersuchen (Ästhetisches Lernen)
  • Decodieren des Zusammenspiels von Text und Bild
  • Figurenkonstellation erarbeiten
  • Charakterisieren der Hauptpersonen

Gattung

  • Comics, Comic-Romane, Graphic Novels

Eignung

als Klassenlektüre geeignet

Jahrgangsstufen

8 bis 13

Fächer

  • Deutsch
  • Geschichte
  • Ethik/Religionslehre (Evang. Religionslehre
  • Kunst (Fachzeichnen)

FÜZ

  • Sprachliche Bildung
  • Werteerziehung
  • Politische Bildung
  • Kulturelle Bildung
  • Familien- und Sexualerziehung

Erscheinungsjahr

2017

ISBN

9783103972535

Umfang

160 Seiten

Medien

  • Buch
  • E-Book