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Katrin (Text) Hoekstra; André (Ill.) Martini: Hamdi - Zu Hause in Beirut

Besprechung

Hamdi lebt mit seiner Familie in beengten Verhältnissen im Libanon. Zum Haushalt gehören die Eltern, die große Schwester Zeina und deren Mann Ali, später die neugeborene Nichte Manar. Zu seinen Eltern, zu Zeina und zur kleinen Nichte hat der Junge ein liebevolles Verhältnis. Sein großer Bruder lebt in Amerika. Hamdi will Fußball-Torwart werden und übt auf dem Parkplatz in seinem Stadtviertel in Beirut. Er ist so gut, dass ihm die großen Jungen in Aussicht stellen, dass er bei ihnen mitmachen darf. Vor ihrer Heirat hat seine Schwester mit ihm trainiert. Jetzt trägt sie einen langen Mantel und ein Kopftuch, weil ihr Mann es so will. Während Hamdis Eltern zwar gläubige Schiiten, aber keine Fundamentalisten sind, begeistert sich Ali für die Hisbollah. Die Familie ist finanziell von Ali abhängig, da Hamdis Vater als Taxifahrer nicht genug verdient. Vor allem Hamdis Mutter bemüht sich deshalb Ali gegenüber um Verständnis für dessen Ansprüche. Der Schwiegersohn wünscht sich einen Sohn und ist enttäuscht, dass Zeina zunächst nicht schwanger wird. Als es so weit ist, freuen sich alle auf den Nachwuchs. Ali zeigt Hamdi ein Video vom „Heiligen Krieg“, auf dem er sehen soll, wie eine Gruppe israelischer Soldaten in die Luft gesprengt wird. Hamdis Vater kommt dazu und schaltet den Apparat wütend aus. Er wünscht sich für seinen Sohn ein Leben ohne Krieg, während sein Schwiegersohn seinen noch nicht geborenen Sohn zu einem Kämpfer machen will. Da kommt Zeina vom Arzt zurück und muss berichten, dass sie ein Mädchen erwartet. Hamdis Großvater ist während des Bürgerkrieges ums Leben gekommen. Beim Überqueren der Straße war er erschossen worden. Der Vater erzählt Hamdi davon und macht ihm eindringlich seine pazifistische Einstellung deutlich. Doch Hamdi will sowieso am liebsten Fußballtorwart sein. Als ihnen die Wohnung gekündigt wird, bekommen sie nur mit Hilfe von Alis Freunden bei der Hisbollah eine neue Unterkunft in einem anderen Stadtteil. Für Hamdi bedeutet das, dass er seine Fußballfreunde verliert. Doch er gewinnt einen neuen Freund, den etwas älteren Sadeq. Dessen Vater ist im Kampf gefallen und somit ein „Märtyrer“, worauf der Sohn mächtig stolz ist. In der Wohnung hängen Bilder von ihm, auf denen er mit Hisbollah-Fahne und Maschinengewehr zu sehen ist. Auch die Mutter scheint damit einverstanden zu sein, dass ihr Sohn später ebenfalls Kämpfer im „Heiligen Krieg“ werden möchte mit der Aussicht auf einen Märtyrertod. In Hamdis Familie gibt es wegen der verschiedenen Auffassungen der Männer immer mehr Streit. Eines Tages packt Ali Frau und Kind in ein Taxi und fährt mit ihnen davon. Da fallen Flugblätter aus einem Flugzeug, auf denen die israelische Armee Bombardements ankündigt. Der Vater kehrt mit dem Rest seiner Familie in das alte, weniger gefährdete Stadtviertel zurück, wo sie bei einem Onkel unterkommen. Jetzt könnte Hamdi wieder mit den großen Jungen Fußball spielen. Aus Sorge um Zeina und Manar kommt er jedoch nicht von den Fernsehbildern los, auf denen er sieht, wie das Stadtgebiet zerstört wird, in dem sie zuletzt gewohnt haben. Nach dem Ende des Bombardements suchen sie in den Schutthaufen nach Besitztümern. Sie finden Zeina und Manar, die mit viel Glück überlebt haben. Ali ist tot. Seine Frau tröstet sich damit, dass er sich gewünscht hat, als Märtyrer zu sterben, und will entsprechende Bilder aufhängen. Auch ist sie glücklich darüber, dass sie ein zweites Kind erwartet. Jetzt kann Hamdi wieder seine Torwartkünste zeigen. Im Finale der Großen hält er einen Elfmeter, seine große Schwester sieht zu und jubelt. Im letzten Buchkapitel schreibt die Autorin, dass es Hamdi und seine Familie wirklich gegeben, sie sich die Geschichte aber ausgedacht hat. Aufgrund der zeitgeschichtlich belegten Ereignisse hätte sie so gut passieren können. Sie erläutert die geschichtlichen Hintergründe, skizziert die verschiedenen Bevölkerungsgruppen, erklärt die Wörter „Islam“, „Allah“ und „Dschihad“ und die Unterschiede zwischen Sunniten und Schiiten. Hamdis Geschichte wirkt durch die Vertrautheit der Autorin mit Land und Leuten sehr glaubwürdig. In klarer und anschaulicher Sprache vermittelt sie ein authentisches Bild vom Leben einer Familie im Libanon im Spannungsfeld verschiedener Ansichten über den Islam und den Krieg. Die pazifistische Haltung von Hamdis Vater als überlegene positive Grundhaltung drückt sich in Stimmung und Inhalt für den (westlichen) Leser deutlich aus. Doch bemüht sich die Autorin auch, die Beweggründe der Hisbollah-Kämpfer zu erklären. Die flächig kolorierten Zeichnungen vermitteln einen Eindruck von dem für uns fremden Aussehen der Menschen und ihrer Umgebung. Das Buch gehört zur „Alltagsreportagen-Reihe“ des Verlags.

Didaktische Hinweise

Die Geschichte eignet sich vor allem zum Vorlesen, da die Kinder sicher Fragen haben, die im Gespräch geklärt werden sollten. Bei der Verwendung als Klassenlektüre kann man auf das pädagogische Material zurückgreifen, das der Verlag auf seiner Webseite (www.klett-kinderbuch.de) anbietet. Darin findet der Lehrer bibliographische Angaben, eine Inhaltsangabe, kapitelbezogene Anregungen/ Arbeitsaufträge/ Hausaufgaben und Materialien, außerdem drei Arbeitsblätter. Fächerübergreifende Bildungs- und Erziehungsziele: Politische Bildung, Werteerziehung, Interkulturelle Bildung

Gattung

  • Bücher für Jungs
  • Romane

Eignung

themenspezifisch geeignet

Altersempfehlung

Jgst. 3 bis 6

Fächer

  • Deutsch
  • Ethik/Religionslehre (Evang. Religionslehre
  • HSU
  • Interkulturelle Erziehung

Erscheinungsjahr

2010

ISBN

9783941411241

Umfang

84 Seiten

Medien

  • Buch