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Onjali Q. Raúf; Pippa Curnick (Illustr.): Der Junge aus der letzten Reihe

Besprechung

Kinderbuch, das das Thema Flüchtlinge aus Sicht der Klassenkameraden erzählt, die einen neuen Mitschüler bekomme.

Ein neuer Junge, der nicht ihre Sprache spricht, kommt in Alexas Klasse. Die Kinder wissen nichts über ihn – vielleicht haben sie nicht aufgepasst oder die Lehrerin hat tatsächlich nichts erzählt. Alexa und ihre drei Freunde wollen sich, vor allem als sie bemerken, dass er vom Fiesling der Schule gehänselt wird, mit ihm anfreunden. Sie machen ihm kleine Geschenke und fragen ihn, als er auch in den Pausen zu ihnen auf den Schulhof darf, ob er mit ihnen Fußball spielen will. Langsam können sie sich mit ihm auch ohne seine Schulbegleiterin, die gedolmetscht hat, verständigen. Als er seine Geschichte in Bildern und kurzen Texten erzählt, erfahren sie, dass der neue Junge ein Flüchtling ist. Alexa erzählt er später mehr: Er hat seine Schwester im Meer verloren. Die Mutter ist in einem Lager geblieben und auch der Vater ist nicht mit nach England gekommen.
Kurze Zeit darauf wird der Beschluss bekannt, dass England seine Grenzen für Flüchtlinge schließt. Das heißt, dass Ahmet seine Eltern nicht mehr sehen kann. Für Alexa, selbst Halbwaise, ist das unerträglich. Sie und ihre Freunde müssen helfen! Die Einzige, die über eine Ausnahme der Grenzöffnung bestimmen kann, ist die Queen. Also packen Alexa und ein Freund Tee und Kekse ein und machen sich auf den Weg zu ihr …
Die kindliche Logik, mit der Alexa und ihre Freunde versuchen, Ahmets Freundschaft zu gewinnen und ihm zu helfen, bezaubert. Sie tun – ohne den Rat der Erwachsenen einzuholen – immer das für sie naheliegendste. Ahmet ist für Alexa ein Kind in Not und keiner der vielen Flüchtlinge, die Asyl in England wollen. Die gesellschaftliche Diskussion zur Flüchtlingsfrage dagegen wird in Aussagen und im Verhalten der Erwachsenen indirekt vermittelt. Aber selbst wenn die Eltern teils unterschiedlicher Meinung sind, steht für die Kinder der Junge und Freund – und nicht sein Status – im Vordergrund. Dass Ahmet trotzdem Schwierigkeiten in der Schule hat und es rasch zu einer Prügelei kommt, bleibt nicht ausgespart.
Die Autorin Onjali Q. Raúf, die für das Buch im englischsprachigen Raum viel Lob geerntet hat, setzt sich auch privat für Flüchtlinge ein und hat außerdem die Menschenrechtsorganisation „Making Herstory“ gegründet.

Didaktische Hinweise

Der Junge aus der letzten Reihe bietet sich – trotz seines Umfangs – für eine unterrichtliche Behandlung gut an. Gerade nach dem Besuch der Queen (z.B. S. 201–260) kann die Lektüre durch eine Hörbuchaufnahme unterstützt oder ersetzt werden.
Thematisch lädt das Buch durch die Personalisierung einer Flüchtlingsgeschichte auch zum Abbau von Vorurteilen oder zum Reflektieren der eigenen Haltung ein. Hilfreich sind dafür die letzten Seiten in Buch, die die Begriffe „Flüchtling“ und „Immigrant“ voneinander abgrenzen, nach den Hauptaufnahmeländern von Flüchtlingen fragen, 7 Nachdenk-Fragen zum Thema stellen und zu Blitzinterviews mit den Klassenkameraden anregen. Die gewählte Perspektive, nämlich die eines im Aufnahmeland lebenden Kindes, das erst einmal nichts von der Person, die da ankommt, weiß, ist der Reflektion ebenfalls zuträglich und lädt zur Identifikation ein. Am Anfang weiß man auch lange nicht, ob der Ich-Erzähler hier ein Junge oder ein Mädchen ist. Insofern können sich wohl auch Jungs mit der (weiblichen) Ich-Erzählerin (oder mit Ahmet) identifizieren.
Nicht zuletzt können die Zeichnungen von Pippa Curnick und die kurzen Texte, mit denen Ahmet seine Geschichte von S. 100–105 erzählt, für den Unterricht genutzt werden. Die Kombination der paar Worte und Bilder lassen das Schicksal besser als ein ganzes Buch nachempfinden.

Gattung

  • Romane

Eignung

als Klassenlektüre geeignet

Jahrgangsstufen

3 bis 4

Fächer

  • Deutsch

FÜZ

  • Interkulturelle Bildung
  • Politische Bildung
  • Werteerziehung

Erscheinungsjahr

2020

ISBN

9783855356300

Umfang

286 Seiten

Medien

  • Buch
  • E-Book
  • Hörbuch