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Dirk Pope: Abgefahren

Besprechung

Bei dem Roman mit dem Titel „Abgefahren“ von Dirk Pope handelt es sich um einen Road Trip, in dessen Mittelpunkt der 17-jährige, stark übergewichtige Viorel steht. Als der Roman einsetzt, ist Viorel, wie die Kapitelüberschrift verrät, bereits 279 km gefahren, um von Essen-Vogelheim über Passau nach Rumänien zu gelangen. Im Kofferraum des klapprigen weißen Corsas hat er seine verstorbene Mutter, die er in ihrer Heimat, im Nordosten Rumäniens, begraben möchte. Obwohl Viorel, der in Deutschland weder Verwandte noch Freunde hat, ein klares Ziel vor Augen hat, stellt Viorels Reise auch eine kuriose Reise ins Ungewisse dar, die gespickt ist mit zahlreichen unvorhergesehenen Ereignissen. Denn kaum ist Viorel in Ungarn angelangt, muss er noch eine weitere Leiche in den Kofferraum packen. Es handelt sich um einen Anhalter, den Viorel, der ohne Führerschein unterwegs ist, mitnimmt und der ihm auf der Fahrt von den Mythen Rumäniens und Graf Dracula erzählt. Dieser wird beim Aussteigen in der Nähe von Györ von einem Lastwagen erfasst und Viorel packt ihn kurzerhand zu seiner Mutter in den Kofferraum, weil er auf jeden Fall eine Begegnung mit der Polizei vermeiden möchte. Kurz darauf wird Viorel auf der Weiterfahrt von Straßenpiraten überfallen, dabei wird nicht nur der Corsa stark demoliert, sondern der Verstorbene LKW-Fahrer verschwindet auf mysteriöse Art und Weise aus dem Kofferraum. Viorel lässt sich aber nicht abschrecken, sondern setzt seine Reise fort und immer wieder hilft ihm der Zufall weiter. So trifft er wenig später auf eine alte Frau – wie sich herausstellt, handelt es sich um die Nachbarin seines inzwischen verstorbenen Onkels, die ihm für kurze Zeit Obdach gewährt. Dort trifft er auch auf Dana, die Ur-Enkelin der alten Frau. Kurzentschlossen bietet Viorel den beiden an, sie mit dem Auto zu dem bevorstehenden Weihnachtsfest zu ihren Verwandten zu bringen. Während sich die alte Frau als abergläubische Witwe entpuppt, macht Viorel auf diesem Streckenabschnitt jedoch auch eine ganz andere, für ihn neue Erfahrung. Dana nimmt ihn nicht als übergewichtige Erscheinung wahr, sondern er findet in ihr eine Gleichgesinnte, die ihm viel Sympathie entgegenbringt, die Viorel in dieser Form noch nie erfahren hat. Nachdem er die beiden bei ihren Verwandten abgesetzt hat, fährt er alleine weiter zum Schwarzen Meer, wo er seine mühselige Mission bei winterlichen Temperaturen und tiefgefrorenem Boden endlich vollenden möchte.

Didaktische Hinweise

Dirk Popes Roman, der 2019 für den „Deutschen Jugendbuchliteraturpreis“ nominiert war, eignet sich grundsätzlich auch als Klassenlektüre, da es sich, wie der Titel andeutet, um eine „abgefahrene“ Coming-of-Age-Geschichte handelt. Mit jedem Kilometer den Viorel mit seinem klapprigen Corsa zurücklegt, wird deutlicher, dass es sich um mehr als nur eine kuriose Road-Story handelt. Nämlich um Viorels Seelenreise zu sich, die man durchaus als Reminiszenz an die Literatur der Romantik lesen kann, zumal auch Popes Roman nicht arm an kuriosen Schauerelement ist. Je näher Viorel seinem Ziel kommt, wird seine Reise mehr und mehr einem Bewusstseinsstrom. Dabei spielt auch Viorels zwanghafte Essstörung eine zentrale Rolle, die dazu geführt hat, dass Viorel mit 13 Jahren schon so dick war, dass er und seine Mutter nicht gleichzeitig am Esstisch essen konnten. Essen ist für Viorel nicht nur Nahrungsaufnahme, sondern dient ihm als Zeitvertreib und dazu, sein mangelndes Selbstwertgefühl zu kompensieren, dieses gewinnt er jedoch auf der Reise zunehmend zurück.

Gattung

  • All Age

Eignung

als Klassenlektüre geeignet

Altersempfehlung

Jgst. 8 bis 10

Fächer

  • Deutsch

FÜZ

  • Alltagskompetenz und Lebensökonomie
  • Interkulturelle Bildung
  • Soziales Lernen

Erscheinungsjahr

2018

ISBN

9783446258754

Umfang

240 Seiten

Medien

  • Buch