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Uwe Johnson: Von dem Fischer und seiner Frau

Besprechung

Ein Märchen über Wünsche, deren Erfüllung, Sehnsüchte und die Frage nach Zufriedenheit. Ein Fischer fängt einen verwunschenen Plattfisch und schenkt ihm die Freiheit. Davon erzählt er seiner Frau, die von ihrem Mann fordert, dass er unverzüglich zu dem Fisch gehen soll, um für sie einen Wunsch erfüllen zu lassen. Sie will, dass der Fisch aus ihrem „Pott“, ihrer Behausung, eine kleine Hütte macht. Der Fischer zögert, geht aber doch und ruft den Fisch: "Großer Plattfisch dort im Meer! Bitte, schwimme zu mir her! Meine Frau, die Ilsebill, will nicht so, wie ich es will.„ Der Fisch fragt: “Na, was will sie denn?" Und kaum hat der Fischer den Wunsch ausgesprochen, antwortet der Plattfisch ohne Umschweife: „Geh nur nach Hause, sie hat sie schon. “Zur Hütte gehören ein Garten und ein Hof, alles gerade richtig zum Wohlzufühlen. Doch der Frau genügt es nicht, sie möchte ein Schloss, später möchte sie König sein, noch später will sie Papst werden. Der Fischer weiß, dass dies nicht recht sein kann, trotzdem geht er immer wieder zum Fisch. Und der Plattfisch erfüllt kommentarlos alle Wünsche. Aber die See wird warnend von Wunsch zu Wunsch dunkler und aufbrausender. Die Frau des Fischers weiß längst nicht mehr wohin mit ihrer Unzufriedenheit und wünscht sich in letzter Verzweiflung, so zu sein wie Gott – und landet unverzüglich wieder im „Pott“! Das Märchen „Von den Fischer un syne Frau“ stammt im plattdeutschen Original von Philipp Otto Runge (1777-1810). Der bedeutende frühromantische Maler und Dichter überließ das Märchen den Gebrüdern Grimm, was die Verbreitung und Bekanntheit des Märchens bis heute erklärt. Für den Märchentext im Bilderbuch wurde eine hochdeutsche Nacherzählung von Uwe Johnson (1934-1984) ausgewählt, die viele Formen aus dem Original in der Übersetzung beibehält wie den „Fischerreim“: "Mandje! Mandje! Timpe Thee! Buttje, Buttje, in de See, Myne Frau, de Ilsebill, Will nich so, as ik woll will." Den über 150 Jahren auseinanderliegenden Fassungen ist gemeinsam, dass beide Autoren aus dem heutigen Mecklenburg-Vorpommern stammen, Philipp Otto Runge aus Wolgast, Uwe Johnson aus Güstrow.

Uwe Johnson zählt zu den bedeutendsten Vertretern der Literatur des 20. Jahrhunderts. Für ihn ist „das Märchen vom Fischer und seiner Frau“ naheliegend, weil in seinem Gesamtwerk das Land und damit Menschen und Sprache zwischen Ostsee und Mecklenburgischer Seenplatte eine besondere Rolle spielen. Die plattdeutsche Originalfassung von Philipp Otto Runge wurde im Bilderbuch auch als Anhang zur Nacherzählung abgedruckt. Den Kreis „vom Original zum Jetzt“ schließen die Illustrationen von Katja Gehrmann, die 1968 in Hamburg geboren wurde, der Stadt, in der Philipp Otto Runge starb. Wort und Bild zeigen Jahrhunderte überspannend menschentypische Verfehlungen wie Wünsche, die nur Gier sind, oder den Versuch, fehlende Liebe durch Besitz und Macht zu ersetzen. Die märchenhaften und zugleich wirklichkeitsnahen Bilder unterstreichen die unausweichliche Katastrophe und Zeitlosigkeit des Märchenklassikers.

Ein wunderschönes Bilderbuch für Kinder und Erwachsene. Im September 2011 wurde es von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur zum Buch des Monats gewählt.

Didaktische Hinweise

Der Märchenklassiker bietet sich als Vorlesebuch bis in die Sek. I an. Mithilfe der Bilder kann das Textverständnis geprüft und vertieft werden. In der Sek. I können den Anforderungen der Altersstufe entsprechend Platt- und Hochdeutsch von Original und Nacherzählung in den Mittelpunkt gestellt werden.

Gattung

  • Bilderbücher

Eignung

sehr gut als Klassenlektüre geeignet

Jahrgangsstufen

1 bis 7

Fächer

  • Deutsch

Erscheinungsjahr

2011

ISBN

9783356014181

Umfang

40 Seiten

Medien

  • Buch