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Eduard Mörike; Hannes (Ill.) Binder: Um Mitternacht

Besprechung

Der Schweizer Maler Hannes Binder illustriert und interpretiert Eduard Mörikes Gedicht „Um Mitternacht“. Das Bilderbuch ist in seinem Format, als langer, schmaler Band, auffällig und ungewöhnlich. Im Band folgen auf den Abdruck des Gesamtgedichts die einzelnen Verse, denen Binder je ein Bild beistellt. Auf den letzten Seiten erklärt Hannes Binder seinen persönlichen Bezug zu dem Gedicht, indem er von seiner Begegnung mit dem Werk des schwäbischen Autors und seiner Verbindung zu Sprache und Gedicht erzählt. Vorzugsweise arbeitet der Illustrator, so auch in diesem Band, in Schwarz-Weiß-Technik. Dabei verwendet er Schabkartons, die mit einer schwarzen Schicht überzogen sind. In diese Schicht werden mit Federmessern Linien und Flächen eingekratzt. Diese Technik ermöglicht es, das Gedichtmotiv „Mitternacht“ kontrastreich durch schwarze Schraffuren und grelle Lichtansammlungen umzusetzen. Die Bilder erhalten dadurch eine eigenartige und unheimliche Stimmung. „Um Mitternacht“ ist 1827 entstanden und in seinen Motiven zwischen Romantik, Biedermeier und Realismus angesiedelt. Hannes Binder versetzt das Gedicht mithilfe seiner Darstellung von Großstadtszenarien in das 21. Jahrhundert. Er zeigt Blicke auf Hausdächer, Hochhausfassaden, Wohnviertel, Stadtautobahnen, erstarrte Gäste in einer Hotellobby und Straßenmusikanten unter Arkadenbogen - Bilder, die Betriebsamkeit andeuten, in denen die Nacht präsent ist, aber die der idyllischen Ruhe keinen Platz lassen wollen. Doch letztlich setzt sich in den Bildern die Nacht als Naturkraft, gezeichnet in weiten, mächtigen heranspülenden Wellen, doch noch durch und weitet sich zum Meer, bis zum Horizont.

Das Bilderbuch ist in seiner Art der Illustration herausragend. Es setzt auf eine visuelle Interpretation von Lyrik. Darin besteht auch sein besonderer Wert.

Didaktische Hinweise

Für Schüler eröffnet das Bilderbuch einen differenzierten Zugang zu dem Gedicht „Um Mitternacht“, der einerseits neugierig macht auf den Autor Eduard Mörike, den Entstehungshintergrund und das Werk, andererseits auf das „Ergründen“ der künstlerischen Umsetzung durch Hannes Binder. Dazu ist für weitere Informationen zum Illustrator unter dem Titel „Im Netzwerk des Zeichners“ im Internet ein Essay nachzulesen. Durch die Bilderbuchvorlage werden Schülerinnen und Schüler leicht zur eigenen kreativen Umsetzung von Versen aufgefordert, bei der sich die Zusammenarbeit mit dem Fach „Kunsterziehung“ anbietet. Der Band ist in der Fachbibliothek Deutsch Sek I/II eine ansprechende Ergänzung zu lyrischen bzw. literaturgeschichtlichen Werken. Auch für die Schülerbibliothek ist das Bilderbuch als Anregung zur Lyrikbegegnung sicher eine Bereicherung.

Gattung

  • Bilderbücher

Eignung

als Klassenlektüre geeignet

Jahrgangsstufen

9 bis 13

Fächer

  • Deutsch

Erscheinungsjahr

2009

ISBN

9783905871067

Umfang

35 Seiten

Medien

  • Buch