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Leila Marouane: Das Sexleben eines Islamisten in Paris

Besprechung

Er ist der perfekte Moslem: Mohamed Benmoktar, vierzig Jahre alt, lebt in der Wohnung seiner Mutter in einem Pariser Vorort und teilt sich ein Zimmer mit seinem jüngeren Bruder, der gerne heiraten würde, aber damit warten muss, bis sein älterer Bruder diesen Schritt absolviert hat. Die Mutter hat auch schon eine Braut für ihren Ältesten ausgesucht, die Tochter des Bürgermeisters ihres algerischen Heimatortes. Aber Mohamed hat andere Pläne. Längst nennt er sich außerhalb der Wohnung Basile Tocquard, weil er trotz seiner Diplome in Frankreich sonst keine Chancen hätte. Er ist ein sehr gut verdienender Banker und beschließt, sich eine Wohnung im 16. Arrondissement von Paris zu mieten, damit er endlich auf angemessene Art seine Jungfräulichkeit verlieren und zahllose „weiße“ Frauen erobern kann. Diese Geschichte erzählt er einem nicht näher bezeichneten Erzähler, was nur zu Beginn der Kapitel durch ein „sagte er“ angedeutet wird. Auf der ersten Seite bedankt sich die Autorin bei einem „Mohamed“ für seine Offenheit, im Verlauf der Geschichte tauchen eine der Autorin offenbar ähnliche Schriftstellerin namens Loubna Minbar und die Concierge Lisa Martinez auf, deren Identitäten sich vermischen. Basile lernt die Mitbewohnerin der Schriftstellerin kennen, kauft alle ihre Romane, und schreibt selbst an seinen Erinnerungen. Er trifft Frauen, aber es sind zu seinem Mißvergnügen alles Maghrebinerinnen und sie verweigern sich ihm unter den verschiedensten Vorwänden. Seine herrschaftliche Wohnung nützt nichts, der Titel erweist sich als pure Ironie und er verbringt seine Zeit mit Trinken und Schlafen. Eine rituell wiederkehrende Szene ist, dass er nach samstäglichen Alkoholexzessen am Sonntagmittag aufwacht und der Anrufbeantworter von seiner Mutter vollgesprochen ist, die ihn längst zum Essen erwartet, worauf er sich wieder in sein Bett verkriecht und weiterschläft. Nur eines wird nie erzählt: in welcher Bank, wie und mit wem er arbeitet. So werden die Leser*innen in eine Mischung aus Realität und Phantasie, Ernst und Ironie verwickelt, aus der sie am Schluss eine verwirrende Vielfalt von Ausgängen nehmen können. Es entsteht das Bild eines Algeriers, der, von den nationalistischen Franzosen auf seine Religionsgemeinschaft verwiesen, dem Diktat seiner Mutter und seiner Familie in Wahrheit nicht entkommt.

Didaktische Hinweise

Wie Bret Easton Ellis in „Lunar Park“ taucht die Autorin selbst in ihrer Geschichte auf, wie er verweist sie auf Titel und Figuren früherer Romane. Die Erzähltechnik und deren Referenz auf den amerikanischen Autor könnte im Unterricht untersucht werden. Auch Vergleiche mit anderen Romanen, die in Pariser Vororten spielen, sind möglich (z. B. Tahar Ben Jalloun, Au pays; Rachid Djaidani, Boumcoeur; Christiane Rochefort, Les petits enfants du siecle).

Gattung

  • Romane

Eignung

themenspezifisch geeignet

Altersempfehlung

Jgst. 11 bis 13

Fächer

  • Deutsch
  • Französisch

FÜZ

  • Interkulturelle Bildung
  • Kulturelle Bildung

Erscheinungsjahr

2010

ISBN

9783894017279

Umfang

220 Seiten

Medien

  • Buch