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Reinhard Barth: Alexander von Humboldt. Abenteurer, Forscher, Universalgenie

Besprechung

Alexander von Humboldts Todestag jährte sich am 6. Mai 2009 zum 150. Mal. Während sein Bruder Wilhelm bis heute als eine der zentralen Gestalten der deutschen Bildungsgeschichte gilt, war es lange Zeit still um Alexander. Erst Neuauflagen seiner Werke in verschiedenen Verlagen, sowie (für erwachsene Leserinnen und Leser) Daniel Kehlmanns „Die Vermessung der Welt“ (2005) und neuere Biografien haben zu einem erneuten Interesse am Leben und Werk Alexander von Humboldts geführt. Dieses Interesse lässt sich auch für die Kinder- und Jugendliteratur feststellen. Reinhard Barth geht bei seiner vorliegenden Humboldt-Biografie weitgehend chronologisch vor und führt den Leser von der Geburt des adeligen Forschers (1769) bis zu dessen Tod (1859). In den dazwischenliegenden Jahren verbrachte Alexander seine Kindheit und Jugend in Berlin. Er wurde von Hauslehrern unterrichtet, u.a. von dem späteren Jugendschriftsteller Joachim Heinrich Campe. Studienaufenthalte führten ihn nach Frankfurt an die Oder, nach Göttingen und schließlich nach Freiberg, wo er Oberbergmeister wurde. Eher nebenbei lernte er wichtige Wissenschaftler und Personen des öffentlichen Lebens kennen, unter ihnen Georg Forster, der an einer mehrjährigen Weltumsegelung von James Cook teilnahm. Nach dem Tod seiner Mutter führte Alexander von Humboldt eine erste Expedition durch Südamerika durch. Dabei fuhren er und sein Begleiter Aimé Bonpland überwiegend mit Booten von Venezuela aus in den Regenwald, um zu erforschen, ob es eine Verbindung zwischen den Flüssen Orinoko und Amazonas gibt. Er besuchte Kolumbien und Ecuador, Mexiko und die USA. Wenig später war er als anerkannter Wissenschaftler zurück in Europa und machte sich an die schriftstellerische Auswertung seiner durchaus abenteuerlichen und lebensgefährlichen Reisen. Seine Erfolge bei der Suche nach Bodenschätzen brachten ihm die Einladung für eine Expedition durch das Reich des russischen Zaren ein. Schließlich arbeitete er an seinem Hauptwerk, dem „Kosmos“, einem großartigen Buch in mehreren Bänden, das aus einer Darstellung der ganzen damals bekannten materiellen Welt bestand.

Didaktische Hinweise

Barth stellt in dieser Biografie die Karriere Alexander von Humboldts zum weltbekannten Forscher und Wissenschaftler dar. Dessen Bedeutung gerade für junge Leserinnen und Leser ist aber nicht allein hier zu sehen. Hervorzuheben sind auch die auf seinen Aufenthalt in Lateinamerika zurückgehende Ablehnung der Sklaverei und seine letztlich ökologischen Sicht einer damals noch wilden und vielfach unberührten Natur. Unter diesen Gesichtspunkten ist Alexander von Humboldt also ein durchaus moderner Wissenschaftler. Als Sachbücher kann diese Biografie gerade bei männlichen Jugendlichen das Interesse am Lesen wecken. Humboldts Leben und seine Forschungsreisen bieten zudem viele Ansatzpunkte für weitergehende Recherchen. Allein seine Expeditionen auf einem heutigen Atlas nachzuvollziehen, führt immer wieder zu Überraschungen, nicht zuletzt weil sich die Landkarte seit Humboldts Zeiten deutlich verändert hat. Auch kann das Leben des bedeutenden Forschers und Abenteurers immer wieder zu ergänzendem Nachforschen führen, zur Auswertung zusätzlicher Informationen. Die Darstellung in Referaten wäre eine Möglichkeit der Präsentation. Zwei Hinweise am Rande: Bei Barths JugendSachbücher fällt auf, dass es sich zweifellos auf Quellen stützt, diese jedoch nicht explizit nennt. Das ist schade, haben doch offensichtlich auch andere Autoren die gleichen Quellen verwendet. Gerade die eindrucksvolle „Begegnung“ Humboldts mit einem Jaguar im Urwald des Orinoko (wobei in der deutschen Übersetzung immer wieder missverständlich von einem Tiger gesprochen wird), macht exemplarisch deutlich, wie unterschiedlich mit einer Quelle umgegangen werden kann. Auch kann die gelegentlich in Rezensionen zu findende Aussage, dass es sich bei Barths Jugendbuch um die „erste Humboldt-Biografie für ein junges Publikum“ handele, nicht bestätigt werden. Zumindest war in Westdeutschland bereits 1957 der Band „Und draußen wartet das Abenteuer“ von M. Z. Thomas (d.i. Thomas Michael Zottmann; mehrere Neuauflagen, z.T. mit verändertem Titel) über Humboldt erschienen. Weitere Kinder- und Jugendbücher zu Alexander von Humboldt sind vor allem aus der DDR bekannt.

Gattung

  • Sachbücher

Sachbuchkategorie

  • Biografien, Autobiografien, Porträts

Eignung

für die Schulbibliothek empfohlen

Altersempfehlung

Jgst. 6 bis 9

Fächer

Erscheinungsjahr

2009

ISBN

9783833350283

Umfang

287 Seiten

Medien

  • Buch