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Peter Handke: Wunschloses Unglück

Besprechung

Die Erzählung beginnt mit dem lapidaren Zitat einer nichts sagenden, unpersönlichen Zeitungsnotiz, die den Selbstmord einer „Hausfrau aus A. (Gemeinde G.)“ vermeldet. Der Erzähler zwingt sich selbst, über seine Mutter zu schreiben, um seiner eigenen „stumpfsinnigen Sprachlosigkeit“ - aber wohl auch der der Zeitungsnotiz - entgegenzutreten. Hinter den „Riten der Religion, des Brauchtums und der guten Sitten“ entdeckt er wenig Platz für ein „persönliches Schicksal“: Hineingeboren in kleinbäuerlich-katholisches Milieu, aufgewachsen mit den Idealen der Wunschlosigkeit und in der Rolle einer Zwangsehe mit einem Trinker zum Erdulden gezwungen, erlebte die Mutter allenfalls nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im Jahre 1939 so etwas wie Euphorie und „Gemeinschaftsgefühl“. Später ist ihr Leben erneut geprägt von kleinbürgerlichen Verhältnissen und Werten. Als einzig größerer Ausbruch ihres letztlich fremdbestimmten Lebens erscheint am Ende ihr Selbstmord. Das Aufspüren der wahren Existenz seiner Mutter wird für den Erzähler zunehmend ein Schreibproblem - als Spiegel gleichsam seiner eigenen zunehmenden Betroffenheit löst sich der biographische Zusammenhalt von Erinnerungsfetzen am Ende erzählerisch auf. Kontrastiv zur vernichtenden Banalität des Eingangszitates bleibt der Schluss nachdenklich offen: „Später werde ich über das alles Genaueres schreiben ...“ Im Rahmen seines Themas, wie ein Individuum manipuliert und an seiner Entfaltung gehindert wird, thematisiert Handke erneut die Sprache als Werkzeug dieser Manipulation.

Didaktische Hinweise

Ganzschriftlektüre; Erzählstrukturen; Thematisch: Geschlechterrollen; Sprachanalyse; Aufsatzunterricht: Textanalyse, Erörterung, literarische Charakteristik; Projekt: Wandel der Geschlechterrollen/verschiedene literarische Texte unterschiedlicher Epochen im Vergleich

Gattung

  • Kurzprosa, Erzählungen, Textsammlungen, Tagebücher

Eignung

themenspezifisch geeignet

Altersempfehlung

Jgst. 10 bis 13

Fächer

  • Deutsch
  • Ethik/Religionslehre (Evang. Religionslehre

Erscheinungsjahr

2001 (1972)

ISBN

9783518397877

Umfang

89 Seiten

Medien

  • Buch
  • E-Book