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Kate DiCamillo: Der Elefant des Magiers

Besprechung

Die magische Geschichte spielt in der Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts in Balta, einer vermutlich osteuropäischen Stadt. Es ist ein Winter, der durch seine ununterbrochene Düsternis die Gemüter der Bevölkerung niederdrückt, die zudem Hunger leidet. Der Waisenjunge Peter lebt bei seinem Vormund, dem alten, kranken Offizier Vilna Lutz, der gedanklich immer noch in seiner militärischen und kriegerischen Vergangenheit lebt und aus dem Knaben einen guten Soldaten machen möchte, ihm aber keine liebevollen Gefühle entgegenbringen kann. Soldat war auch Peters Vater, der im letzten Krieg auf dem Schlachtfeld gestorben ist. Als damals Vilna Lutz der hochschwangeren Mutter von Peter die Todesnachricht überbrachte, setzten bei ihr die Wehen ein. Sie gebar eine Tochter, Adele, und verstarb kurz nach der Geburt, nachdem sie ihrem kleinen Sohn noch das Versprechen abgenommen hatte, sich um die Schwester zu kümmern. Vilna Lutz hatte Peter immer erzählt, dass auch seine Schwester bei der Geburt gestorben sei. Doch eine Wahrsagerin und Peters nach und nach einsetzende Erinnerung sagen ihm, dass sie noch lebt. Ein Elefant soll ihn zu ihr führen. Tatsächlich lebt Adele in der gleichen Stadt in einem Waisenhaus. Die Magie setzt ein, als bei einer Zaubervorführung ein Elefant durch das Dach des Opernhauses stürzt und auf einer adligen Dame landet, die durch den Unfall gelähmt wird. Die Polizei sperrt den Magier ein. Doch was tun mit dem herbeigezauberten Tier? Der Polizeichef ist ratlos. Einer seiner Polizisten ist Leo Matienne, der alle Dinge hinterfragt: „Was wäre, wenn ...?“ Damit aber kann sein Vorgesetzter nichts anfangen und er ist froh, als eine Gräfin den Elefanten haben will und zu einem Ausstellungsstück macht. Während Adele den Elefanten in ihren Träumen sieht, besucht Peter den Elefanten im gräflichen Schloss und erkennt, wie unglücklich der ist. Er verspricht ihm, ihn in seine Heimat zurückzubringen. Mit Hilfe des freundlichen Polizisten Leo Matienne und einiger anderer skuriller, aber gutartiger Menschen gelingt es, den Elefanten in einer Prozession zum Zauberer zu bringen. Wie es die Wahrsagerin am Anfang der Geschichte prophezeit hatte, findet Peter auf diesem Weg seine Schwester Adele. Der Magier kann seinen Zauber rückgängig machen und der Elefant verschwindet ganz leise und unauffällig. Die beiden Geschwister werden von Leo Matienne und seiner Frau aufgenommen.

Einsamkeit und Traurigkeit, aber auch Hoffnung und Freundlichkeit sind in dieser Märchenwelt zu finden. Vor der Erlösung steht viel Leid. Die wenig heile Welt in der Geschichte wird aufgefangen durch die Zuversicht, mit der die Figuren an ihre Träume glauben. Ein melancholischer, gedämpfter Ton durchzieht die Erzählung; die Sprache wirkt wie ein ruhiger Fluss. Kunstvoll entwickelt sich die Verbindung der einzelnen Figuren im Laufe des Geschehens, bis ein gekonnt komponiertes Ganzes entsteht. Die ganzseitigen Illustrationen von Yoko Tanaka unterstützen die Stimmung des Textes. In dunkel gehaltenen Grauabstufungen stellen die fein gezeichneten und gleichzeitig wie verwischt wirkenden Bilder Szenen der Geschichte eindrücklich dar.

Didaktische Hinweise

Der Verlag empfiehlt Kate DiCamillos zauberhafte Geschichte für jedes Lesealter. Während die Jury des Deutschlandfunks (Juni 2010) das Buch Kindern ab 8 Jahren empfiehlt, wird es in der Süddeutschen Zeitung (4. März 2011) Lesern ab 12 Jahren zugeordnet. Kinder im Grundschulalter sollte man mit diesem Buch wegen des traurigen Grundtons möglichst nicht alleine lassen. Als Vorlesebuch oder Klassenlektüre kann es bei guter Betreuung und ausreichend eingeplanter Zeit ab Klasse 3 eingesetzt werden. Es ist für Buben und Mädchen gleichermaßen geeignet.

Gattung

  • Fantasy
  • Romane

Eignung

als Klassenlektüre geeignet

Altersempfehlung

Jgst. 3 bis 5

Fächer

  • Deutsch

FÜZ

  • Werteerziehung

Erscheinungsjahr

2010

ISBN

9783423760027

Umfang

173 Seiten

Medien

  • Buch