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Saul Friedländer: Wohin die Erinnerung führt. Mein Leben

Besprechung

Bei der von Saul Friedländer vorgelegten Autobiographie mit dem Titel „Wohin die Erinnerung führt“ handelt es sich um die Fortsetzung seiner Memoiren, die der bekannte Historiker unter dem Titel „Wenn die Erinnerung kommt“ veröffentlicht hat. Friedländer erzählt im zweiten Teil seiner Autobiografie nicht nur von seiner akademischen Karriere und den Schwierigkeiten eines jungen Holocaust-Forschers, sich in der akademischen Welt der Nachkriegszeit durchzusetzen, sondern er wirft auch einen Blick zurück auf seine Kindheit und Jugend, die er versteckt in einem katholischen Kloster in Frankreich verbracht hat und wo er zum Katholizismus konvertierte. Nur so konnte er, als einziger der Familie, den Holocaust überlebten. Auch wenn Friedländer, nach eigener Aussage, auf seine Mitmenschen den Eindruck mache, er habe sich mit seinem Schicksal abgefunden, bekennt Friedländer, dass er den Verlust der Familie nie überwunden und stattdessen versucht habe, eine Fassade der Normalität aufzubauen. Vielmehr habe er sein ganzes Leben unter Angstzuständen gelitten. Eine schwere Klaustrophobie ließ Theaterbesuche oder Flugreisen zur Tortur werden, große, offene Plätze, konnte er nicht ertragen. Schließlich musste Friedländer erkennen, dass er als Jude unauslöschlich von der Shoah gekennzeichnet ist. Die Shoa wurde dann auch zu Friedländers wissenschaftlichem Lebensthema, einem weiteren Schwerpunkt seines Buches.

Didaktische Hinweise

Auch wenn sich Saul Friedländers Biographie nicht zur Lektüre im Unterricht eignet, lohnt es sich, mit den Schülerinnen und Schülern Saul Friedländers Lebensschicksal im Unterricht zu thematisieren. Die Tatsache, dass viele Klöster Juden versteckt haben, um sie vor der Deportation zu bewahren, ist nur ein kleiner Lichtblick in der schicksalhaften deutschen Geschichte. Eindrücklich hat dies auch Louis Malle in seinem bekannten Spielfilm „Auf Wiedersehen Kinder“ dargestellt, der häufig im Französischunterricht gezeigt wird und der sich, ähnlich wie Katharina Hackers Romane „Eine Art Liebe“gut mit den Kindheitserlebnissen von Saul Friedländer in Verbindung bringen lässt. Eine Lesung zu Saul Friedländers Buch findet sich unter:http://www.br.de/radio/bayern2/kultur/radiotexte/radiotexte-1120.html

Gattung

  • Sachbücher

Sachbuchkategorie

  • Biografien, Autobiografien, Porträts

Eignung

für die Schulbibliothek empfohlen

Altersempfehlung

Jgst. 10 bis 13

Fächer

  • Deutsch
  • Geschichte

Erscheinungsjahr

2016

ISBN

9783406697708

Umfang

329 Seiten

Medien

  • Buch