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Vendela Vida: Des Tauchers neue Kleider

Besprechung

Der erste Satz des Romans über den Geschäftsmann, der neben der Erzählerin im Flugzeug sitzt, ist so banal wie die Erzählform überraschend: Der Leser wird mit „du“ angesprochen und in die Handlung gezogen. Banal ist auch, dass der Reiseführer „Marokko“ vom Besuch Casablancas abrät, wo die Amerikanerin jedoch drei Tage im Hotel gebucht hat. Nicht banal und ebenso überraschend ist, dass die Erzählerin beim Betrachten der Fotos ihrer neugeborenen Nichte in ihrer Kamera zu weinen beginnt. Die Lösung des Rätsels erfährt man am Schluss des Romans. Der Protagonistin wird am Hoteltresen ihr Rucksack mit allen Papieren und Wertsachen gestohlen. Die Polizei findet überraschend schnell einen Rucksack und gibt ihn der Erzählerin zurück, jedoch ist es der einer anderen Person. Die Erzählerin nimmt deren Identität an und es beginnt eine Flucht in immer neue Lügengeschichten und eine spannende Erzählung mit vielen Wendungen. Als Erzählerin wird sie immer unzuverlässiger. Noch am ehrlichsten ist die Aufgabe, als Double für eine „berühmte amerikanische Schauspielerin“, die nicht namentlich genannt wird, zu arbeiten, wofür eine leichte Maske nötig ist. Diese Arbeit verliert die Erzählerin, weil sie die Rolle besser als die Schauspielerin selbst spielt. Daraufhin flieht sie wieder unter verschiedenen falschen Identitäten mit einer Busreisegesellschaft. Man ahnt es: die Flucht hat einen Grund, der Diebstahl am Anfang hat so gar nicht stattgefunden, die Projektion auf das gegenüber im „du“ soll den Leser mitleiden lassen, wenn er mitbekommt, was die eigentliche Geschichte ist.

Didaktische Hinweise

Die Autorin hat schon drei Romane geschrieben, die auf deutsch vorliegen, aber bisher stand sie im Schatten ihres Mannes Dave Eggers, dem Autor von „Der Circle“. Die Erzählform dieses von Monika Baark aus dem Amerikanischen übersetzten Romans ist so ungewöhnlich nicht, zum Beispiel verwendet Michel Butor in „La modification“ das „vous“ so wie Vida das „you“. Interessant ist, was die Absicht dahinter ist. Kreative Schreibanlässe gibt es hier genug, bei denen man die Schülerinnen und Schüler die Perspektive wechseln lassen kann. Daran lässt sich untersuchen, was die Wirkung der gewählten Form ist. Das Land Marokko, hier als Symbol der Ferne und Fremdheit, das aber nicht eingelöst wird, da ein großer Teil des Romans in Großen Hotels spielt, ist ein weiteres Thema. Die Zitate von Clarice Lispector (Motto) und dem persischen Divan-Dichter Rumi aus dem 13. Jahrhundert, aus dessen im Buch zitierten Gedicht die Formulierung im Titel stammt, möglicherweise regte es auch zur „Du-Form“ an, verweisen auf die mystischen Elemente des Buchs.

Gattung

  • Romane

Eignung

sehr gut als Klassenlektüre geeignet

Altersempfehlung

Jgst. 11 bis 13

Fächer

  • Deutsch
  • Englisch

FÜZ

  • Soziales Lernen

Erscheinungsjahr

2016

ISBN

9783351036294

Umfang

252 Seiten

Medien

  • Buch