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Karen Duve: Fräulein Nettes kurzer Sommer

Besprechung

Es gelingt Karen Duve tatsächlich, die Dichterin und deren Zeitgenossen wie Jacob und Wilhelm Grimm als überraschend lebendige Figuren darzustellen. Dabei scheut sie sich nicht, heutige Redewendungen „Was für eine Scheiße“ mit älteren Begriffen zu vermischen „Hätte, hätte Epaulette“, was aber frappierend gut passt. Wir lernen Annette als bedauernswert kluge Frau kennen, deren Gedichte als hübscher Zeitvertreib angesehen werden (wie Stricken oder Sticken); von all dem, was ihre männlichen Verwandten oder die Göttinger Studenten Interessantes diskutieren, hält man sie fern. Aber es kommt noch schlimmer: Ihr Verliebtsein in den Studenten und Dichter Heinrich Straube wird durch eine Intrige jäh zerstört, sie bleibt gedemütigt und traumatisiert zurück, zu intelligent, zu eigenwillig, zu wenig angepasst und wohl auch zu gefährlich für die Männerwelt. Neben dieser tragischen Geschichte enthält das Buch die wirklich interessante und anregende Vergegenwärtigung der politischen und künstlerischen Situation der Zeit: Der Franzosenhass, die Deutschtümelei und die Diskussionen darum, die Auseinandersetzungen zwischen konservativen und fortschrittlichen Geistern und auch ganz nahes Herangehen an die Lebensverhältnisse: die Kleider, die Straßenverhältnisse, das Essen. Viele bekannte Namen kommen vor, seien es Kotzebue, Brentano oder Heine. Die Autorin gibt der Epoche Farbe und Leuchtkraft, das Buch ist in Hinsicht auf die Dichterin wohl bestürzend, aber auch sehr interessant und ungewöhnlich „frisch“.

Didaktische Hinweise

Geeignet als Leseangebot für die Schulbibliothek, einsetzbar (auch auszugsweise als Zusatzmaterial) als Begleitlektüre für Primärliteratur aus der Zeit.

Gattung

Roman

Eignung als Klassenlektüre

weniger geeignet

Jahrgangsstufen

11 bis 13

Fächer

Deutsch, Geschichte

Erscheinungsjahr

2018

ISBN

9783869711386

Umfang

584 Seiten

Medien

Buch