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Juli Zeh: Corpus delicti. Ein Prozess

Besprechung

Die Welt ist keimfrei, die Menschen sind gesund. Krankheit abgeschafft. Jeder Mensch trägt im Oberarm einen implantierten Chip, der Auskunft gibt über Blutwerte, körperliche Fitness und persönliche Daten. Das Urteil gegen Mia Holl wegen „methodenfeindlicher Umtriebe“ steht schon auf den ersten Seiten des Romanes „Corpus delicti“ von Juli Zeh, der deshalb den Untertitel „Ein Prozess“ trägt. Verurteilt wird die Angeklagte „zum Einfrieren auf unbestimmte Zeit“. Gesundheit ist in Juli Zehs Dystopie zur Pflicht geworden. Der Mensch muss täglich trainieren, Blut und Urin in regelmäßigen Abständen abgeben. Alkohol und Nikotin sind verboten. Die Natur wird ausgegrenzt. Spaziergänge sind nur in den sterilen Gebieten erlaubt, eine Geheimpolizei überwacht allgegenwärtig den Gesundheits- und Geisteszustand des Bürgers. Mia Holl, bislang unbescholtene Bürgerin, von Beruf Biologin, gerät aus dem Regelwerk, als sich ihr Bruder Moritz im Gefängnis umbringt, weil er unschuldig wegen Vergewaltigung verurteilt wird. Die Schwester recherchiert und findet heraus, dass sich die „Methode“, die als perfekt gilt, geirrt hat. Der Prozess gegen die junge Frau wird zum Skandal, denn Moritz’ DNA, die als Beweismittel für seine Schuld angeführt wird, ist im Grunde nicht seine, sondern die seines Knochenmarkspenders Walter Hannemann. Damit gerät die Welt der „Methode“ aus den Fugen und ihre Verfechter setzen alles daran, um Mia Holl mundtot zu machen. Schien das Urteil auf den ersten Seiten schon schaurig genug, vollzogen wird es nicht, stattdessen hält die „Methode" eine noch weit größere Perfidie für Mia Holl bereit. „Psychologische Betreuung [...] Bestellen einer Aufsichtsperson. Unterbringung in einer Resozialisierungsanstalt. Medizinische Überwachung. Alltagstraining.“ Mia Holl wird zum Weiterleben in einem Staat verurteilt, für den seine Bürger gläserne Figuren sind, die durch moralische Argumentation weichgeklopft, nichts anderes mehr denken können, als dass die „Methode“ immer recht hat. Denn wer wünschte sich schon „Chaos, Krankheit, Verunsicherung“ zurück, kurz – das Leben im 20. Jahrhundert.

Didaktische Hinweise

Geeignet ist „Corpus delicti“ als Klassenlektüre für die 11. bis 13. Jahrgangsstufe. Die Gesellschaft, die Juli Zeh hier beschreibt, lässt sich gut sowohl mit aktuellen Entwicklungen vergleichen als auch mit Dystopien anderer Autoren. Naheliegend ist Kafkas „Der Prozess“, aber auch, weil der Romane 2005 erschien, Thomas Lehrs „42“.Sehr reizvoll ist die Tatsache, dass der Roman zum Ausgangspunkt des Projekts „Corpus Delicti - Eine Schallnovelle" wurde. Das Projekt wurde zusammen mit der Rockband „Slut“ umgesetzt. Erschienen ist eine CD, auf der das „Wortmusikstück“ zu hören ist. Näheres findet sich unter: www.juli-zeh.de/essay.php. Auf dieser Seite finden sich auch Informationen zur Juli Zehs Lebenslauf und eine Auflistung ihrer Bücher.

Die Grundlage des Romans bildet das gleichnamige Theaterstück Juli Zehs, das 2007 auf der RuhrTrienale uraufgeführt wurde. Weitere Informationen unter: www.juli-zeh.de/theater.php Ausführliche Rezensionen des Romanes sind auf folgender Seite herunterzuladen: www.perlentaucher.de/buch/31534.html

Gattung

  • Science-Fiction
  • Romane

Eignung

sehr gut als Klassenlektüre geeignet

Altersempfehlung

Jgst. 11 bis 13

Fächer

  • Deutsch
  • Ethik/Religionslehre (Evang. Religionslehre

Erscheinungsjahr

2009

ISBN

9783895614347

Umfang

264 Seiten

Medien

  • Buch