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Sharon M. Draper: Mit Worten kann ich fliegen

Besprechung

Melody ist fast elf Jahre alt, hat ein fotografisches Gedächtnis und eine grandiose Auffassungsgabe. Was sie einmal gehört, gelesen oder gesehen hat, vergisst sie nie wieder. Aber sie kann all ihre Gedanken niemandem mitteilen, denn sie kann nicht sprechen, nicht selbstständig essen, auch nicht gehen, nicht einmal kriechen. Melody leidet an zerebraler Kinderlähmung und ist an ihren Rollstuhl gefesselt. Aber sie hat das Glück, Eltern zu haben, die sich um sie kümmern und die davon überzeugt sind, dass Melody versteht, was sie sagen, und auch sie verstehen viel von dem, was Melody meint. Aber eben nicht alles. Als Melodys Goldfisch eines Tages aus dem Glas springt, kann sie nur kreischen und strampeln. Mit größter Anstrengung gelingt es ihr, das Goldfischbassin umzustoßen, damit der Fisch in dem herausfließenden Wasser länger überlebt. Schließlich erscheint Melodys Mutter und glaubt, Melody habe ungeschickterweise den Behälter herabgeworfen und den Fisch getötet. Ein Missverständnis von vielen, die Melody zu gerne aufgeklärt hätte, wenn sie doch nur mehr sagen könnte, als ihre Wörtertafel hergibt. Weil ihre Eltern tagsüber arbeiten, verbringt Melody die Nachmittage bei der Nachbarin Mrs V. Die ist zwar anstrengend, aber fast noch mehr als Melodys Eltern davon überzeugt, dass Melody ein höchst begabtes Kind ist, das man fördern und fordern muss, und das macht Mrs V. freundlich und zielstrebig. Schließlich erkennt man auch in der Schule, in der Melody die Behindertenklasse besucht und ständig das Alphabet wiederholt, dass in Melody mehr steckt. Sie darf an einer neu eingerichteten „Integrationsklasse“ teilnehmen. Ihre junge Betreuerin, die sie in die Stunden begleitet, entdeckt einen Computer mit dem Namen „Medi-Talker“. Und dieser Computer erfüllt Melodys sehnsüchtigsten Wunsch. Sie kann mit den Menschen direkt sprechen, in ganzen Sätzen, nicht nur, indem sie mit ihrem Daumen auf einzelne Wörter ihrer Worttafeln deutet. Als Melody mit Hilfe des Computers ihren Eltern zum ersten Mal sagt „Ich liebe euch“, stehen nicht nur ihren Eltern und Mrs V. die Tränen in den Augen, sondern auch dem Leser. Obwohl Melody in ihrer Integrationsklasse beim Wissensquiz in die Schulauswahl kommt und mit ihrem Team die Regionalmeisterschaft gewinnt, ist sie nicht integriert. Zwar hat sie manchen Klassenkameraden und auch den Lehrer von ihrer Intelligenz überzeugt, aber Freunde hat sie nicht. Deshalb erlebt sie auch eine fürchterliche Enttäuschung. Ihr Team fliegt ohne sie zum Bundesentscheid nach Washington, ohne ihr oder ihren Eltern zu sagen, dass ihr Flug verschoben wurde. Dass Melody sich von diesem Tiefschlag erholt und ihre Mitschüler und ihren Lehrer zur Rede stellt, liegt an ihrer bewundernswerten Beharrlichkeit, aber auch an ihren Eltern, ihrer zweijährigen Schwester Penny und an Mrs V., also an den Menschen, die Melody lieben.

Didaktische Hinweise

Sharon M. Draper ist in den USA eine bekannte Autorin, deren Bücher mehrmals auf der Bestsellerliste der New York Times standen. „Mit Worten kann ich fliegen“ ist ein wunderbar einfühlsames und herzzerreißendes Buch. Die Ich-Erzählerin Melody überträgt ihren Wunsch, endlich sprechen zu können, auf den Leser, der allen Missverständnissen und Katastrophen genauso untätig gegenüberstehen muss wie die Hauptfigur. Silvia Schröers Übersetzung ist hauchzart und poetisch und weil Shapers Ich-Erzählerin auch Ironie kennt, zerdrückt der Leser nicht nur Tränen, sondern lacht auch laut und herzlich. Im Unterricht lassen sich mit dieser Lektüre sehr viele Themen besprechen: Ausgrenzung und Freundschaft, Zuneigung und Hass sowie das hürdenreiche Leben mit einer Behinderung. Der Verlag hält auf seiner Webseite kurze Informationen zur Autorin und eine Leseprobe bereit.

Gattung

  • Romane

Eignung

sehr gut als Klassenlektüre geeignet

Altersempfehlung

Jgst. 5 bis 8

Fächer

  • Deutsch
  • Ethik/Religionslehre (Evang. Religionslehre
  • Zusätzliche Fächer (Fachunterricht)

FÜZ

  • Soziales Lernen

Erscheinungsjahr

2014

ISBN

9783764170103

Umfang

320 Seiten

Medien

  • Buch
  • E-Book