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Heidi Benneckenstein: Ein deutsches Mädchen. Mein Leben in einer Neonazi-Familie

Besprechung

Bei dem Buch mit dem Titel „Ein deutsches Mädchen“ handelt es sich um ein Aussteigerbuch. Die 25-jährige Autorin Heidi Benneckenstein – ihr eigentlicher Mädchenname lautet Heidrun – erzählt von ihrer Kindheit und Jugend in einem extrem rechten Milieu im Westen von München und von ihrem Vater, einem Holocaustleugner. Heidi Benneckensteins Bericht gibt einen tiefen Einblick in die Struktur der Neo-Nazis-Szene. Schon mit acht Jahren verbringt Benneckenstein ihre Ferien in den konspirativen Ferienlagern der „Heimattreuen Deutschen Jugend“, eine Nachfolgeorganisation der 2009 verbotenen „Wiking-Jugend“, die ideologisch auf die Hitlerjugend zurückgeht. Die Erziehung in den Lagern beschreibt Benneckenstein als militärisch und elitär, aber sie will gefallen und macht mit. Mit 15 Jahren radikalisiert sich Benneckenstein und rebelliert offen auf Demonstrationen. Im Jahr 2006 nimmt sie schließlich Kontakt mit einer „Kameradschaft“ in Erding auf, wo sie auch Felix, ihren späteren Mann, kennenlernt, der unter dem Pseudonym Flex bei Großveranstaltungen Musik macht. Als Felix bei einem internen Machtgerangel unter Neonazis verletzt wird, reift bei beiden der Entschluss auszusteigen. Mittlerweile sind Heidi und Felix Benneckenstein oft an Schulen oder Universitäten unterwegs, wo sie von den Strukturen der rechten Szene und der Ideologie, die sie beide einmal begeistert hat, berichten.

Didaktische Hinweise

Heidi Benneckenstein schreibt sehr offen und gradlinig über ihre Erfahrungen, so dass das Buch auch für Schülerinnen und Schüler ab der 10. Klasseinteressant ist. Die authentischen Erfahrungen der Autorin lassen sich in einem schulischen Kontext sehr gut in den Fächern Geschichte, Sozialkunde und Ethik in den Unterricht thematisieren, wenn es darum geht, mit Schülerinnen und Schüler über den zunehmenden Rechtsruck in der Gesellschaft zu sprechen und ihnen die Denkweise dieses Milieus zu verdeutlichen. Zusammen mit den Schülerinnen und Schüler die kritische Auseinandersetzung mit rechtsradikalen und rassistischen Gedankengut zu suchen und ihnen auch mit Hilfe der Geschichte von Heidi Benneckenbach vor Augen zu führen, wie selbstverständlich und kritiklos diese von vielen einfach hingenommen wird, ist eine besondere Aufgabe und Pflicht von Lehrkräften, ganz besonders dann, wenn Schülerinnen und Schüler sogar selbst mit dieser Haltung sympathisieren. Auch das Dokumentationszentrum in München hat dieser Thematik zahlreiche Ausstellungen gewidmet.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch das Streitgespräch zwischen Heidi Benneckenstein und der jüdischen Autorin Deborah Feldmann, das in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschienen ist und in dem beide Autorinnen ihre jeweilige Sichtweise im Umgang mit der deutschen Vergangenheit darlegen, die aus ihren unterschiedlichen Biographien entwachsen ist.

Eine Reportage über Felix Benneckenstein findet sich in der Mediathek des Bayerischen Rundfunks.

 

 

Gattung

  • Sachbücher

Sachbuchkategorie

  • Politik, Gesellschaft

Eignung

themenspezifisch geeignet

Jahrgangsstufen

10 bis 13

Fächer

  • Deutsch
  • Geschichte
  • Sozialkunde/Politik und Gesellschaft
  • Ethik/Religionslehre (Evang. Religionslehre

FÜZ

  • Politische Bildung
  • Soziales Lernen

Erscheinungsjahr

2018

ISBN

9783608503753

Umfang

252 Seiten

Medien

  • Buch